Indien: Von Goa nach Hampi

Hampi-Temple-CowBenaulim. So heißt meine erste Station in Indien, ein kleines Dorf an der Küste von Goa, die ich nach der wildesten Taxifahrt meines Lebens erreiche – ein ständiger Slalom zwischen Autos, Rikshas, Fahrrädern, Hunden und Kühen. Direkt vor meiner Unterkunft am Ortsende grast eine Büffelherde. Zum Strand ist es etwa ein Kilometer. Es sind vor allem russische Familien, die das Strandleben hier prägen, einige Schilder der Beach Shacks, der Imbisshütten am Strand, sind sogar inzwischen auf russisch. Hippies trifft man nur noch vereinzelt an. Nachdem ich mich ein paar Tage am Strand akklimatisiert habe, mache ich mich auf den Weg zu der berühmten Ruinenstätte Hampi im benachbarten Bundesland Karnataka. Hampi hieß früher einmal Vijayanagar und war im vierzehnten Jahrhundert die Hauptstadt eines mächtigen Hindureichs. Heute pilgern viele Hindus zu den Tempeln und Ruinen inmitten einer surrealen Felsenlandschaft, die von Bananenplantagen umgeben ist. Mit dem Bus fahre ich zum nächsten größeren Ort, nach Margao, von wo aus der Nachtbus nach Hampi abfährt. Nach einigem Suchen finde ich schließlich die richtige Busstation und treffe einen Franzosen, der ebenfalls nach Hampi fährt. Da er kein Englisch spricht, unterhalten wir uns mit meinem gebrochenen Französisch, das ich seit meiner Schulzeit nicht mehr angewendet habe. Mit einiger Zeit Verspätung kommt schließlich der Nachtbus in Margao an, der hoffnungslos überfüllt ist, weil wohl ein anderer Bus ausgefallen ist. In der Nacht halten wir an einem Rastplatz und steigen in einen größeren Bus um. Am nächsten Morgen erreichen wir nach einer zehnstündigen Fahrt schließlich Hampi. Das erste was ich sehe, sind Affen, die auf den Dächern herumturnen - und unzählige Riksha-Fahrer, die den Bus umzingelt haben und Karten von Hampi über die Busfenster hereinreichen. Ich finde ein Guesthouse im Basar von Hampi und frühstücke anschließend auf einer Dachterrasse mit Blick auf den wunderschönen Virupaksha Tempel, den die Morgensonne beleuchtet. Danach lasse ich mich mit einem kleinen Boot auf die andere Seite des Tungabhadra-Flusses bringen, der mitten durch Hampi fließt. Vorbei an unzähligen Ständen, die Schmuck, Kleidung oder Essen verkaufen, und Touristen-Lokalen mit einschlägigen Namen wie "Rasta Cafe", mache auf den Weg zum sechs Kilometer entfernten Anjanadri-Hügel. Auf seiner Spitze befindet sich der weiße Hanuman-Tempel - der Ort, an dem der Affengott Hanuman geboren worden sein soll. Auf den Spuren von Hanuman Unterwegs kaufe ich mir an einem Stand eine Wassermelone, der Verkäufer fragt mich, ob ich auch Marihuana kaufen möchte. Außer ein paar vereinzelten Hindus und mir tut sich niemand den Marsch in der brennenden Mittagshitze an. Die meisten Besucher haben sich Motorräder oder Fahrräder ausgeliehen. Kurz vor dem Hitzekollaps erreiche ich schließlich einen kleinen Imbissstand am Straßenrand, vor dem ich mich ein wenig ausruhe und mir eine Kokosnuss mit Strohhalm genehmige. Anschließend geht es noch einmal etwa zehn Minuten weiter bis zum Fuß des Berges, wo mich ein halbes Dutzend Affen empfängt. Wie es sich an heiligen Hindu-Stätten gehört, ziehe ich meine Schuhe aus und lasse sie vor der langen orangefarbenen Steintreppe stehen, die sich den Hügel hinaufschlängelt. Barfuß laufe ich die brennend heißen 570 Stufen hinauf und erreiche schließlich den Tempel. Oben angekommen werde ich wie ein Superstar von einer johlenden Schulklasse begrüßt (eine Erfahrung, die ich noch öfter machen werde), jedes einzelne Kind will mir die Hand geben. Der Ausblick hier oben ist überwältigend. Er zeigt, wie sich der Tungabhadra durch das steinerne Tal schlängelt; und er lässt erahnen, wie groß die Ruinenstätte ist, für die man eigentlich Monate bräuchte, um ihr gerecht zu werden. Der Duft von Räucherstäbchen umweht den Hügel. Im Inneren des Tempels singen zwei Hindus abwechselnd heilige Verse. Ansonsten: Stille. Eine sehr seltene Erfahrung in Indien. Auf dem Rückweg halten zwei Inder neben mir an und nehmen mich ein Stück weit mit ihrem Moped bis hinunter zum Fluss mit. Lakshmi badet Am nächsten Morgen werde ich Zeuge einer Badezeremonie. Lakshmi, der Tempelelefant, der im Virupaksha Tempel lebt, steigt jeden Morgen die Stufen zum Tungabhadra-Fluss hinab. Dort seift ihr Wärter die Elefantendame ein und schrubbt sie gründlich mit einer Bürste. Sofort bildet sich eine Traube von Schaulustigen um die beiden. Ein paar Hindus, die ebenfalls im Fluss baden, lassen sich von Lakshmi mit ihrem Rüssel duschen, nachdem sie ausgiebig gebadet hat. Zwei junge Amerikanerinnen, die mitgeholfen haben, Lakshmi sauber zu bürsten, dürfen schließlich auf ihrem Rücken zurück bis zum Tempel reiten. Später sehe ich den Elefanten noch einmal in ihrem Tempel, wieder umringt von zahlreichen Menschen. Sie wollen sich von ihr segnen lassen. Dazu reichen sie Lakshmi einen Geldschein, den sie mit ihrem Rüssel ihrem Wärter überreicht. Anschließend legt sie ihren Rüssel auf den Kopf des Menschen. So sieht also der Alltag eines Tempel-Elefanten aus. Die Affen, die den Tempel bevölkern springen hingegen frei herum, und klauen den Tempelbesuchern Bananen. Keep Smiling Auf dem Weg zurück zum Guesthouse mache ich keinen Schritt ohne dass mir jemand etwas verkaufen möchte. Ich stehe unter ständiger Beobachtung. Als ich mich am Flussufer einmal kurz hinsetze, um mich ein wenig auszuruhen, spricht mich ein Hindu in einem schwarzen Gewand an. Innerhalb weniger Sekunden bin ich von seiner Gruppe umzingelt. Alle wollen ein Foto mit mir machen. Anschließend werde ich noch ihrem Guru vorgestellt, der sich ebenfalls mit mir fotografieren lässt. Vor meiner Unterkunft treffe ich die Vermieterin. Sie schenkt mir eine Banane und sagt mir das Wifi-Passwort: KeepSmiling.

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