ISPO 2015 – Hightech für draußen

2.585 Aussteller zeigten auf der ISPO 2015 ihre Neuheiten.

2.585 Aussteller zeigten auf der ISPO 2015 ihre Neuheiten.

16 voll belegte Hallen – davon können Computermessen wie die CeBIT nur noch träumen. Die ISPO 2015, die vom 06. bis 08. Februar in München stattfand, schafft das – und legt sogar im Vergleich zum Vorjahr noch ein paar hundert Quadratmeter Ausstellungsfläche drauf. Im Outdoor-Bereich vermeldete die Messe ein deutliches Wachstum mit 40 neuen Ausstellern und 100 Marken, darunter immerhin so bekannte Namen wie Camelbak. Die Besucherzahl lag mit 80.000 etwa auf Vorjahresniveau.
Schlafen in luftiger Höh': Das Tentsile macht's möglich

Schlafen in luftiger Höh': Das Tentsile macht's möglich

Auch wenn die ISPO 2015 standort- und jahreszeitbedingt einen Schwerpunkt auf Wintersport legt, fand ich eine Neuheit am spannendsten, die eher für den Sommer gedacht ist und folgerichtig den „ISPO Brandnew Award“ in der Kategorie „Hardware Summer“ gewonnen hat: Das BaumhauszeltTentsile“ des Briten Alex Shirley-Smith. Alles, was man braucht, um in luftiger Höhe zu schlafen, sind drei kräftig gebaute Bäume, die in 5 bis 14 Metern Abstand zueinander stehen. An diesen wird der robuste Zeltboden samt Mesh-Innenzelt mit drei Gurten befestigt und mit den im Lieferumfang enthaltenen Ratschen abgespannt. Das funktioniert analog zum Spannen einer Slackline und auch die Gurte sind einer Slackline nicht unähnlich. Als Regen- und Windschutz wird ein Außenzelt aus PU-beschichtetem Polyester mitgeliefert. Prinzipiell kann man das Tentsile auch auf dem Boden aufbauen, allerdings sind die Nähte des aus Ripstop-Nylon bestehenden Bodens nicht getapet oder sonstwie abgedichtet. Bei Nässe dringt die Feuchtigkeit also über das Garn ins Zelt („Dochteffekt“).
Gekreuzte Stangen aus einer eloxierten Aluminiumlegierung spannen das Tentsile-Modell Connect auf.

Das Tentsile Connect im Detail

Eigentlich wäre das Tentsile das ideale Zelt für Trekking-Touren in Kanada oder Alaska. Die Gefahr, von einem Bären gefressen zu werden, reduziert sich schließlich drastisch, wenn man zwei Meter über dem Boden zwischen den Bäumen hängt. Leider ist das Zelt mit 9 kg Gesamtgewicht für Backpacking-Touren viel zu schwer. Allenfalls für Kanuwanderer kommt es in Frage, die das Schleppen dem Wasser überlassen. Das Gewicht lässt sich laut Hersteller zwar noch etwas reduzieren, indem man zum Beispiel zwei der drei rund ein kg schweren Ratschen zu Hause lässt. Allerdings erfordert der Aufbau dann doch relativ viel Geschick und Erfahrung, da man die Spannung aller drei Gurte über eine einzige Ratsche einstellen muss.
Verstärkte Ecken sorgen beim Baumzelt Tentsile für guten Halt.

Verstärkte Ecken sorgen für guten Halt.

Der Baumzeltspaß ist außerdem nicht ganz billig. Das Modell „Connect“, das auf der ISPO gezeigt wurde, kostet rund 500 US-Dollar, was beim aktuell miserablen Wechselkurs gut 440 Euro entspricht. Immerhin ist die weltweite Lieferung im Preis enthalten. In den kommenden sechs Monaten soll das Tentsile auch direkt in Deutschland bezogen werden können. Der Hersteller ist nach eigenen Angaben mit mehreren Distributoren und Händlern im Gespräch, Namen wollte er aber keine nennen.      

Der etwas andere Rucksack

Ein weiteres ungewöhnliches Produkt, das auf der Messe zu sehen war, ist das „Wolffe Pack“, ein Rucksack, der sich unabhängig von den Schultergurten abnehmen und an der Vorderseite des Körpers wieder befestigen lässt. Das ganze funktioniert über zwei dünnen Schnüre und lässt sich am besten am Bewegtbild demonstrieren:

Ich fand es beim Ausprobieren ein wenig hakelig und bin von der Alltagstauglichkeit des Konzepts nicht so hundertprozentig überzeugt. Das Entriegeln, Nach Vorne Bringen und Fixieren des Rucksacks dauert ungefähr genau so lange wie wenn man einfach aus den Schultergurten schlüpft und sich den Rucksack verkehrt herum vor den Bauch hängt. Das Wolffe Pack ist ein Kickstarter-Projekt und kann aktuell nur vorbestellt werden. Es soll dann im Mai 2015 in zwei Modellen auf den Markt kommen.

GPS-Uhren mit Smart-Watch-Funktionen und Activity Tracking

GPS-Uhr, Smart Watch und Aktivitätstracker in einem: die fenix 3 von Garmin

Die fenix 3 von Garmin

Hightech anderer Art gab es bei Garmin zu sehen. Der Navi-Hersteller hat den Trend zu Smart Watches und Wearables schon früh erkannt hat und zeigte in München einige seiner zur CES im Januar vorgestellten Neuerungen. Dazu zählt die „fenix 3“, die praktisch alle Funktionen in sich vereint, die man sich in diesem Umfeld vorstellen kann: Sie ist Smart Watch, Aktivitäts-Tracker und Navigationsgerät in einem. Auch Höhenmesser, Barometer und Kompass sind integriert. Per Bluetooth lässt sie sich mit einem Smartphone koppeln, man kann sie aber auch über WLAN ins Internet bringen, um zum Beispiel Apps und Widgets herunterzuladen. Die fenix 3 soll noch im ersten Quartal 2015 auf den Markt kommen. Sie wir in zwei verschiedenen Varianten jeweils mit und ohne HF-Gurt verfügbar sein. Preise beginnen bei 449 Euro. Mit der „epix“ bringt Garmin außerdem erstmals eine GPS-Uhr auf den Markt, die auch Karten darstellen kann. Ob damit auf einem 1,4 Zoll großen Touchdisplay eine sinnvolle Navigation möglich ist, müssen Praxistests zeigen. Die epix soll im zweiten Quartal 2015 auf den Markt kommen und knapp 500 Euro kosten. Wer für eine Smart Watch nicht ganz so viel Geld ausgeben will, für den ist vielleicht die „vivoactive“ interessant, auch wenn das kantige Design nicht jedermanns Sache sein dürfte. Für rund 250 Euro bekommt man diese Uhr, der Verkauf soll im April 2015 starten. Bluetooth, GPS und Aktvitätstracker sind auch hier mit an Bord. Daune: keine Angst vor Feuchtigkeit
Schwimmt sogar in Wasser: Dauenjacke von Jack Wolfskin

Schwimmt sogar in Wasser: Dauenjacke von Jack Wolfskin

Wasserabweisende oder gar wasserdichte Daunenprodukte waren auf vielen Stände ein Ausstellungsthema. So zeigte etwa Branchenprimus Jack Wolfskin mit dem „Texapore Downshell Tech Jacket“ eine wasserdichte Daunenjacke und demonstrierte diese Eigenschaft eindrücklich, indem er die Jacke in einem Wasserbecken schwimmen ließ. Der amerikanische Konkurrent Columbia nennt seine neueste Daunenentwicklung „TurboDown“ und verspricht, das Problem der Kältebrücken an den Kammernähten gelöst zu haben. Montane nennt seine wasserresistente Daune „Hyper Dry“ und bei Berghaus heißt sie „Hydro Down“. Einem ganz anderen Aspekt von Daunenjacken, nämlich der Gewinnung ihrer Füllung, widmete sich der schwedische Anbieter Fjällräven. Bei aller Begeisterung für das Wärmevermögen und die Leichtigkeit dieses Naturprodukts wird nämlich häufig vergessen, dass dessen Gewinnung mit dem Leiden lebender Tiere erkauft wird. Erst vor kurzem kam der Edelhersteller Montcler in Verruf, als bekannt wurde, dass die in seinen absurd teuren Parkas verwendete Daune aus Lebendrupfungen stammt. Beliebt ist die Daunengewinnung auch als Nebenprodukt der Stopflebermast. Bei dieser barbarischen Art der „Nahrungsmittelgewinnung“ werden Gänse auf brutalste Weise so mit Futter vollgestopft, dass ihre Leber komplett verfettet und auf das Vielfache ihrer normalen Größe anschwillt. Das so durch Tierleid entstandene Produkt wir teuer als Foie gras an sogenannte Gourmets verkauft. Fjällräven will mit solchen Praktiken nichts zu tun haben und gibt in seinem „Daunenversprechen“ an, dass 100 Prozent der in seiner Kleidung verwendeten Daunen aus tierleidfreier oder wenigstens -armer Geflügelhaltung stammen.

Polartec Alpha: noch weniger Angst vor Feuchtigkeit

Outdoor Research verzichtet in seinen neuen Produkten weitgehend auf Daune und setzt dafür auf Hightech-Isolationsfasern wie Polartech Alpha. Das vor zwei Jahren vorgestellte Material bietet bei hoher Wärmeleistung eine gute Dampfdurchlässigkeit und erlaubt den schnellen Abtransport der Feuchtigkeit nach außen. So sollen Körper und Jacke auch bei anstrengenden Aufstiegen trocken bleiben. „Man muss sich beispielsweise bei einer Skitour nicht mehr ständig an- und ausziehen“, sagt Guido Anderwert, Marketing Manager Outdoor Research – Europe, Inc. Auch bei Vaude war Polartec Alpha auf der ISPO ein Thema. Zwar setzt das schwäbische Familienunternehmen  das Material schon länger ein, hat aber jetzt sein Angebot an Polartec-Alpha-Kleidung um die Hose „Bormio Pant“ und die Weste „Bormio Vest“ erweitert. Beide sind für Skitourengeher  gedacht. Auch beim „Alphapro Jacket“ und der „Alphapro Bib Pant“ kommt Polartec Alpha zum Einsatz. Jacke und Hose sind für den Ganzjahresradler konzipiert, der im Winter auf seinem Bike nicht frieren möchte.

Nachhaltigkeit und Recycling

Garantiert PFC-frei: die Outdoor-Klamotten von Páramo

Garantiert PFC-frei: die Outdoor-Klamotten von Páramo

Auf der ISPO waren am Vaude-Stand nicht nur die Kaffeebohnen „Bio“, sondern auch viele der gezeigten Produkte, etwa das „Men’s Tacul Jacket“. Es mit einer 3-Lagen-Sympatex-Membran ausgerüstet und „Bluesign“-konform, also nach strengen Umweltstandards produziert. Mit einer Marketing-Kampagne will das Unternehmen zudem für die „kleinen Abenteuer“ in unmittelbarer Nähe des Wohnorts werben. „Man sollte sich überlegen, ob man jedes Wochenende 200 km fahren muss oder ob man vielleicht sein Outdoor-Erlebnis nicht auch vor der Haustür finden kann“, sagt Pressesprecher Benedikt Tröster. Umweltfreundliche Produkte aus Recycling- oder Naturfasern waren auch auf anderen Ständen prominent vertreten, etwa bei Icebreaker – wir hatten die „MerinoLoft Helix Zip“-Jacke aus recycelter Wolle und Polyester ja bereits im Test. Bei Singtex konnte man Pullover bestaunen, die zu 25 Prozent aus Kaffeeöl hergestellt werden. Klättermusen zeigte unter anderem Jacken aus recycelten Fischernetzen und Fjällräven stellte seine recycelbare „Keb Eco Shell“-Kollektion vor, wasserdichte Hardshells, die ohne Fluorcarbon-verseuchte Imprägnierung auskommen. Völlig PFC-frei arbeitet nach eigenen Angaben die Firma Páramo. Das Unternehmen wurde von Nick Brown initiiert, dem Gründer von Nikwax, dessen umweltfreundliche Spezialreiniger viele Outdoorer schon einmal benutzt haben. Páramos Produktion ist aber nicht nur umweltfreundlich, sondern auch sozial. Das Unternehmen lässt in Kolumbien bei einer gemeinnützigen Stiftung fertigen, die benachteiligten Frauen eine Beschäftigungsmöglichkeit gibt und deren Familien unterstützt.

Weitere Bilder vom Messerundgang:

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