Auf der Suche nach dem alten Grenzstein im Steinbachtal

Hier mag es jemand urig. Die Bichlerhütte  im malerischen Steinbachtal.

Hier mag es jemand urig. Die Bichlerhütte im malerischen Steinbachtal.

Eigentlich sollte es nur ein Spaziergang werden, hatte ich Thomas versprochen. Aber nun stapften wir bereits seit bald zwei Stunden durch den immer tiefer werdenden Schnee. Viel Zeit hatten wir nicht mehr, um unser Ziel am „Dreigemeindeneck“ zwischen Bichl im Westen, Wackersberg im Osten und Benediktbeuern im Südwesten zu erreichen. Der schöne Schnee und das kalte Wetter der vergangenen Tage waren einer feuchten Warmfront gewichen, die ab Mittag heftige Böen und Regenfälle bringen sollte. Die Zeit drängte also. Wir wollten ja nicht nass werden und hatten deswegen nur den Vormittag für unsere Wanderung ins Steinbachtal eingeplant.
Flott bringen die Bichler Bauern ihr Holz ins Tal.

Flott bringen die Bichler Bauern ihr Holz ins Tal.

Gestartet sind wir in Bichl, wo es am Ortsende bei Hofstätt und in der Nähe der Ludlmühle einen Wanderparkplatz gibt, der momentan vor allem von Langläufern frequentiert wird. Am Bichler Bad vorbei ging es zunächst gemütlich auf einer Forststraße ins sehr idyllische Steinbachtal hinein. Nur gelegentlich mussten wir einem Bauern ausweichen, der mit seinem Traktor frisch gefällte Baumstämme ins Tal zog. Ansonsten war das Steinbachtal fast menschenleer. Nur wenige Hundert Meter hinter der Bichlerhütte wurde es aber schwieriger. Nach einer Abzweigung mussten wir uns den Weg selbst durch den pappigen, etwa 30 bis 40 Zentimeter hohen Schnee spuren. Jetzt wären Schneeschuhe nicht schlecht gewesen. Prompt kamen auch die ersten Beschwerden von Thomas, der murmelnd auf den „versprochenen Spaziergang“ hinwies. Nicht beeindruckt von den ihm bis zum Bauch reichenden Schneemassen war dagegen der Kleine Münsterländer, der mich ohne Rücksicht auf sein fortgeschrittenes Alter hinter sich her durch den Schnee zog. Thomas könnte sich von diesem Energiewunder ruhig eine Scheibe abschneiden. Aber das sagte ich ihm nicht. Zumindest heute nicht. Was hatte uns überhaupt dazu bewogen, uns trotz des kurzen Zeitfensters in die Bichler Berge zu wagen? Ein kleines Büchlein, das Jost Gudelius im Eigenverlag veröffentlicht hat. Es beschreibt seine mehr als zehn Jahre währende Suche nach historischen Grenzsteinen zwischen dem Kloster Benediktbeuern und dem Bad Tölzer Isarwinkel. Diese mit alten Markierungen versehenen Steine oder eigentlich eher Felsen sind zwischen vier- und fünfhundert Jahre alt und waren fast alle lange verschollen. Gudelius ist es zu verdanken, dass ein großer Teil dieses vergessenen Kulturerbes wieder gefunden und auch mittlerweile offiziell als Baudenkmäler anerkannt wurde. Die Steine liegen auf einer historischen Grenzlinie, die sich vom Stallauer Weiher im Norden bis zum Sylvensteinspeicher im Süden erstreckt.
Wer braucht schon den Yukon? Der Steinbach im Winter.

Wer braucht schon den Yukon? Der Steinbach im Winter.

Diese Grenzlinie ist auch heute noch gültig und auf aktuellen Karten zu finden. Nicht auf ihnen eingezeichnet ist jedoch die Lage der einzelnen Steine. Gudelius‘ Büchlein beschreibt knapp 20 Grenzsteine und zeigt, wo sie zu finden sind. Leider verwendet er zur exakten Identifizierung der Standorte das Gauß-Krüger-Koordinatensystem, mit dem moderne Smartphones in der Regel nichts anfangen können. Und genau hier verstärkten sich auch unsere Probleme auf unserer heutigen Wanderung im Steinbachtal: Ich hatte die Koordinaten nicht umgerechnet und nur die ungefähre Lage des Grenzsteins mit dem Bleistift auf der Karte eingezeichnet. Befindet sich der Grenzstein nun aber, wie von mir grob markiert, im zu recht so genannten Tiefengraben oder doch eher weiter südlich am Murnerbach? Aufgrund der aktuellen Schneelage und angesichts des widrigen Geländes entschieden wir uns kurz vor dem Ziel umzudrehen und die Suche nach dem Grenzstein (im Buch im Kapitel „5. Felsmarch am Murnerbach/Steinbach“ zu finden) auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, an dem das Wetter uns besser gesonnen ist. Wir kommen also wieder. Versprochen. Zur Info: Das Büchlein „Doppelter Abtstab und Hebscheidt“ von Jost Gudelius kostet 14,95 Euro und ist direkt beim Schneemann-Verlag oder bei Amazon zu bekommen.

2 comments to Auf der Suche nach dem alten Grenzstein im Steinbachtal

  • Servus Andreas,

    zufällig bin ich zu deiner Beschreibung der Suche nach dem Grenzstein im Steinbachtal gestoßen. Tut mir leid, dass du wegen der GK-Koordinaten den Stein nicht gefunden hast. In meiner Dokumentation ist doch bei jedem Stein/Felsmarch auch ein kleiner Kartenausschnitt, der die Lage genau angibt. Das müsste m.E. reichen bei etwas Kartenkunde.
    Ich werde die Koordinaten mal auf WGS 84 umrechnen und ein Beiblatt bei zukünftigen Verkäufen der Dokumentation hinzufügen.
    Für die nächste Suchaktion wünsche ich besseren Erfolg
    Gruß
    Jost Gudelius

  • Hallo Jost,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Alternative Koordinaten anzugeben ist sicher eine gute Idee. Wir waren uns damals überhaupt nicht sicher, wo der Stein liegt. Die kleine Karte im Buch hatte uns auch nicht geholfen, wenn ich mich recht erinnere. Ich glaube, sie war für uns zu ungenau. Aber das Ganze ist ja auch schon wieder mehr als eineinhalb Jahre her. Wie auch immer, wir haben den Stein dann bei einer zweiten Tour und besseren Wetterbedingungen doch noch gefunden. So weit weg waren wir damals gar nicht mehr. 🙂

    Viele Grüße, Andreas

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