Mammut Mercury GTX Men – bequeme Treter fürs Trockene

Mit dem Mammut Mercury GTX auf dem Eifelsteig

Mit dem Mammut Mercury GTX auf dem Eifelsteig

„Ich brauche dringend neue Schuhe!“ stellte ich bei der Vorbereitung unserer Eifelwanderung fest. Nicht, dass die alten ausgelatscht oder kaputt gewesen wären, aber es fehlte das richtige Modell fürs Mittelgebirge. Meine Halbschuhe – eigentlich Zustiegsschuhe – waren mir zu flach und hatten zu wenig Dämpfung. Außerdem hatte ich damit schon auf dem Rennsteig keine guten Erfahrungen gemacht. Und meine Bergstiefel sind war klasse für die Alpen und für Trekking-Touren, aber an jedem Fuß ein Kilo durch die Eifel zu schleppen, das war mir dann doch zu viel, zumal jedes Pfund am Bein doppelt zählt, wie jeder weiß, der sich schon mal mit Ultraleicht-Trekking beschäftigt hat. Ich brauchte also neue Schuhe, robuster, höher und komfortabler als Halbschuhe, aber deutlich leichter als Bergschuhe. Meine Wahl fiel auf den Mercury GTX Men von Mammut, den mir die Bergfreunde freundlicherweise zum Testen zur Verfügung stellten. Der Mercury wiegt rund die Hälfte meiner Bergmauken, vor allem aber wird er in vielen Testberichten als sehr bequem auch ohne großes Einlaufen beschrieben. Zum Einlaufen hatte ich nämlich keine Zeit mehr: In zwei Wochen sollte es los gehen.     Erster Eindruck
Schicker Schuh: Der Mammut Mercury GTX

Schicker Schuh: Der Mammut Mercury GTX

Auch wenn bei einem Wanderschuh die Optik sicher nicht die erste Rolle spielt: Der Mercury GTX ist schick. Als erstes fallen die wie ein Exoskelett wirkenden Verstärkungen auf, die dem Schuh ein cooles Aussehen geben. Cool ist auch die zweifarbige Vibram-Sohle, die bei meinem Modell in der Farbkombination „Bark-Liane“ schwarz grün gehalten ist. Auch die Profilierung ist ungewöhnlich. Statt den üblichen Querrinnen sorgen beim Mercury sechskantige Vertiefungen für Grip, die eher an Schraubenmuttern als an Sohlenstollen erinnern. Die ebenfalls zweifarbige Schnürung läuft durch Bandschlaufen und nicht durch Metallösen. Das macht das Schnüren zwar etwas weniger geschmeidig, dafür spart man Gewicht – und die Schnürsenkel halten länger, die sich an scharfkantigem Metall gerne mal aufdröseln. Bei einem genaueren Blick fällt allerdings auf, dass der Schuh nicht ganz sauber verarbeitet ist. Lose, ausgefranste Fadenenden an einigen Nähten und der etwas zu üppig aufgetragene Sohlenkleber, der aus den Rändern quillt, trüben das Bild. Es ist eben ein Schuh „Made in China“, das sieht man - und man riecht es auch. Obwohl der Schuh unter der Marke Mammut verkauft wird, steht im Etikett als Hersteller Raichle. Mammut hatte den Schuhspezialisten 2003 übernommen, seit 2009 werden Raichle-Schuhe unter dem Markennamen der Muttergesellschaft verkauft. Ob mein Paar vor der Markenintegration produziert wurde, ob einfach noch ein paar Raichle-Etiketten übrig waren oder ob das Absicht ist, kann ich natürlich nicht sagen.   Praxis
Sechs Tage Matsch: für den Mercury ein Problem

Sechs Tage Matsch: für den Mercury ein Problem

Reinschlüpfen, wohlfühlen – was den Fußkomfort angeht, haben die Testberichte nicht zu viel versprochen. Der Leisten ist recht schmal, was gut zu meinen Füßen passt, die sich zum Beispiel in den meist breiten Meindl-Tretern völlig verloren vorkommen. Wie schmal der Leisten ist, wurde mir allerdings erst klar, als ich versuchte, mir meine Spenco-Sporteinlagen in die neuen Schuhe zu schieben. Das ging nämlich nicht, weil die Einlagen dafür zu breit waren. Der schmale Schnitt führte auch dazu, dass ich den Schuh in 10,5 und damit eine halbe Nummer größer als üblich, nehmen musste. Von der Länge her hätte 10 (knapp) gereicht, der 10er war aber deutlich zu eng. In der knappen Einlaufphase habe ich die Schuhe auf dem Weg zur Arbeit und auf kurzen Spaziergängen getragen. Wie schon erwähnt, gab es dabei keinerlei Probleme. Etwas skeptisch war ich wegen des ungewöhnlichen Sohlenprofils und auf nassen U-Bahnhofs oder Rolltreppen hat man tatsächlich nicht den optimalen Halt. Seine eigentliche Bestimmung fand der Mercury dann aber auf dem Eifelsteig, dessen erste sechs Etappen wir Anfang Oktober 2014 gewandert sind. Das Wetter war mies, die Wege genauso durchweicht wie wir. Oft mussten wir durch knöcheltiefen Matsch waten oder über glitschige Felsen und Baumwurzeln balancieren. Im Großen und Ganzen hat sich der Mercury dabei tapfer gehalten. Ich hatte zwar die ersten beiden Tage etwas Schwierigkeiten mit der rechten Ferse, die Schnürung lässt sich aber trotz der Bandösen sehr flexibel einstellen und nach mehrfachem Umschnüren hatte ich den Schuh so angepasst, dass ich ohne Schwierigkeiten die weiteren Etappen bewältigen konnte. Auch was den Halt auf glitschigem Terrain angeht, hat mich der Schuh voll überzeugt. Anders als in der Stadt fühlt sich das Profil auf Steinen und Baumwurzeln zu Hause und hat ordentlich Grip. Nicht überzeugt hat mich dagegen die Dichtigkeit. Die Ausrüstung des Schuhs mit einer Gore-Tex-Membran verspricht ja eigentlich Wasserfestigkeit. Bei meinem Paar bildete sich schnell im vorderen Bereich eine Knickfalte, wohl weil der Schuh etwas zu groß ist. Über diese Falte fand das Wasser nach drei Tagen im Matsch seinen Weg ins Innere. Nun weiß ich, dass Membranen in Schuhen meisten nicht lange dicht sind, weil die mechanische Belastung zu groß ist. Etwas mehr als drei Tage Nässe sollte ein GTX-Schuh meiner Ansicht aber dann doch trocken überstehen.   Meine Bewertung im Überblick: + leicht + bequem + gute, griffige Sohle - nicht wasserdicht   Fazit Der Mammut Mercury GTX ist ein leichter, bequemer und robuster Wanderschuh für eher schmale Füße, der auf Anhieb gut sitzt. Von der Wasserdichtigkeit hätte ich mir allerdings mehr erwartet. Der Mercury im Detail: Fotos: Claudia Capello, Thomas Hafen

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