OutDoor 2014: Modular und optimiert

925 Aussteller, knapp 22.000 Besucher, rund 220 neue Produkte – das ist die Bilanz der OutDoor 2014

925 Aussteller, knapp 22.000 Besucher, rund 220 neue Produkte – das ist die Bilanz der OutDoor 2014

Alles, was in der Outdoor-Branche Rang und Namen hat, trifft sich einmal im Jahr in Friedrichshafen zur „OutDoor“. In diesem Jahr fand das Gipfeltreffen vom 10. bis zum 13.07.2014 statt. Laut Messe Friedrichshafen zeigten 925 Aussteller ihre neuesten Kollektionen knapp 22.000 Besuchern. Damit konnten die Zahlen aus dem vergangenen Jahr noch einmal leicht gesteigert werden. Eine Messerundgang war auch in diesem Jahr dem Fachpublikum und der Presse vorbehalten, Endkunden sind auf der Messe nicht erwünscht. Das wird auch in Zukunft so bleiben: Der Branchenverband European Outdoor Group (EOG) entschied sich dagegen, einen Publikumstag einzuführen. So müssen also weiter Journalisten und Blogger für ein wenig Vorfreude auf die neuen Produkte sorgen. Und die gab es natürlich in Hülle und Fülle, wenn ich auch so richtige Knaller vermisst habe. Stattdessen ging es viel um Optimierung, um noch mehr Performance bei noch geringerem Gewicht und die Weiterentwicklung bewährter Prinzipien. Immerhin scheint der Trend zu knalligen Bonbonfarben abgeklungen zu sein, wenn es auch immer noch bunt genug zuging (siehe auch meinen Bericht zur OutDoor 2011). Wandern mit dem Skistiefel (-prinzip)
Beim Bora Mid Arc'teryx gehen Außen- und Innenschuh getrennte Wege.

Beim Bora Mid von Arc'teryx gehen Außen- und Innenschuh getrennte Wege.

Mit am spannendsten fand ich die neue Schuh-Kollektion beim kanadischen Ausrüster Arc’teryx, der das „Skistiefelprinzip“ mit Innen- und Außenschuh auf Zustiegs- und Wanderschuhe angewandt hat. Die äußere Komponente besteht aus einem nahtfreien Schaftelement aus vier aufeinander laminierten Lagen und einer Sohlengrundkonstruktion aus Vibram-Laufsohle, EVA-Zwischensohle und Ortholite-Innensohle. Die Innenschuhe steuern das Fußbett und die Isolierung bei, z.T. sind sie auch mit Gore-Tex Performance Comfort wasserdicht ausgerüstet. Man kann sie separat als Hüttenschuhe einsetzen und natürlich auch leichter trocknen oder waschen. Es gibt sie in zwei Höhen und Dicken, so dass man sich für den Winter ein zweites, wärmeres Paar dazu kaufen kann. Ok, man könnte auch einfach dickere Socken anziehen, aber das wäre ja albern ;-). Ich finde das Prinzip auf jeden Fall nicht schlecht, weil sich so unter Umständen auch ich die Lebensdauer der Schuhe erhöhen lässt. Am Fuß sind Membranen hohen Belastungen ausgesetzt und werden oft nach wenigen Jahren undicht. Statt dann den Schuh wegzuschmeißen kauft man sich bei Arc’teryx einfach einen neuen Innenschuh und hat wieder trockene Füße. Für mich unverständlich ist allerdings, dass das Innenteil nur bei den Spitzenmodellen „Alpha FL“ und „Bora Mid“ herausnehmbar ist, in den anderen Versionen der Schuhreihe (es sind insgesamt acht) ist es fest integriert. Damit haben diese Modell für mich keinen Vorteil gegenüber einem ganz normalen Approach- oder Hiking-Schuh. Die Preise liegen im Arc’teryx-typischen oberen Bereich. Der UVP für den Alpha FL Men beträgt 250 Euro, für den Bora Mid muss man 300 Euro auf den Outdoorladentisch legen. Die Preise der restlichen sechs Modelle werden wohl mehr oder weniger deutlich darunter liegen. Immerhin hat man noch Zeit zum Sparen: Die Schuhe sollen erst im Sommer 2015 auf den Markt kommen. Tipi im Bausatz
Funktioniert auch in der Praxis: ...

Funktioniert auch in der Praxis: ...

Ebenfalls das modulare Konzept weiterentwickelt hat „The Theory Works“, allerdings nicht bei Schuhen, sondern bei Zelten. Die Grundelemente sind in verschiedenen Größen erhältlich und über Reißverschlüsse miteinander koppelbar. So lassen sich aus den Modulen vom einfach offenen Shelter bis hin zum 7-seitigen Tipi für bis zu 6 Personen verschiedenste Variationen zusammenstellen.
… das modulare Shelter-System von The Theory Works

… das modulare Shelter-System von The Theory Works

Besonders praktisch dabei ist, dass man die einzelnen Zeltteile im wahrsten Sinne des Wortes auf mehrere Schultern verteilen kann. Jeder trägt eben eine Zeltbahn, und am Abend basteln alle gemeinsam dann fröhlich das Tipi zusammen. Neben den Grundelementen gibt es zahlreiches Zubehör zur Ergänzung und Erweiterung wie Groundsheets, Moskitonetz, Regendach, Verbindungsstücke für Trekking-Stöcke (die als Zeltstangen eingesetzt werden), Heringe, Packsack etc. Die enorme Variabilität lässt natürlich großen Gestaltungsspielraum, ist meiner Ansicht nach aber auch das größte Manko des Systems. Zumindest mich verwirrt die Vielfalt an Optionen und ich hätte keine rechte Lust, mich in das System einzuarbeiten. Ich fände es deshalb ganz sinnvoll, wenn der Anbieter ein paar Pakete schnüren und mir die Konfigurationsarbeit abnehmen würde. Doppelt schläft besser
Zweilagen-Matte ComfortPlus von Sea to Summit

Zweilagen-Matte ComfortPlus von Sea to Summit

Komponenten spielen auch bei „Sea to Summit“ eine Rolle. Das Unternehmen, das eigentlich eher für Zubehör wie wasserdichte Packsäcke bekannt ist, hat mit der „ComfortPlus“ eine Luftmatratze im Zwei-Kammer-System vorgestellt. Beide Lagen lassen sich unabhängig voneinander befüllen. So bleibt selbst dann ein Rest Schlafkomfort erhalten, wenn die untere Kammerlage durch einen spitzen Stein oder ähnliches undicht geworden ist. Das Prinzip löst noch ein weiteres klassisches Problem von Luftmatratzen , das mich auch an der (ansonsten großartigen) Downmat von Exped stört (hier mein Testbericht): Pumpt man die Matte so hart auf, dass man auch bei Punktbelastung (sprich: im Sitzen) nicht durchdrückt, ist die Matte zum Schlafen zu hart. Pumpt man sie weniger auf, ist der Schlafkomfort zwar gut, dafür sitzt man auf dem Boden, sobald man sich aufsetzt. Bei der ComfortPlus kann man nun die untere Schicht so hart aufpumpen, dass man darauf sitzen kann, während die obere Schicht mit weniger Luft gefüllt für angenehmen Schlaf sorgt. Das ist zumindest die Theorie, wie die Praxis aussieht, verrate ich euch, wenn ich das Ding für einen Test in die Finger bekomme. Aber wahrscheinlich muss man sich da sehr weit hinten anstellen. Harte Schalen für alle
Foto-Rucksack S115 Foto: Peli

Foto-Rucksack S115 Foto: Peli

Während Sea to Summit aus dem Zubehörmarkt in andere Bereiche vordringt, geht Peli den umgekehrten Weg. Der Hersteller unkaputtbarer Koffer für den professionellen Einsatz versucht mit Hüllen und wasserdichten Cases für Smartphones und Tablets den Zubehörmarkt zu erobern. Noch sei der Anteil der „Progear“ genannten Reihe am Gesamtumsatz gering, sagt Matthias Englich aus dem Vertrieb Deutschland - Österreich, das Segment wachse aber stark. Die-iPad-Schutzgehäuse „CE2180“ und „CE3180“ beispielsweise entsprechen dem IP54-Standard und überstehen laut Hersteller Fallhöhen von 1,20 Meter – und das iPad darin hoffentlich auch. Sie sind in drei verschiedenen Farbkombinationen ab 83,24 Euro erhältlich. Als Naturfotografen haben mich natürlich vor allem die neuen Fotorucksäcke interessiert. Der „U160“ hat unten ein bruchsicheres und wasserdichtes Abteil für eine kleinere Fotoausrüstung und oben ein weiteres Staufach inklusive Tablet-Tasche. Besser für die große Ausrüstung ist der S115 geeignet. Hier gibt es allerdings nur für ein Laptop bis 15 Zoll ein wasserdichtes Fach, die Kameraausrüstung selbst ist zwar durch eine starre Frontplatte vor Stößen und durch wasserdichte Reißverschlüsse vor Spritzwasser, Staub und Regen geschützt, das Fach ist aber nicht so wasserdicht, dass es längeres Untertauchen ohne Überflutung überstehen würde. Der S115 ist zum UVP von knapp 454 Euro zu haben. Kühle Hüte
Coole Hüte bei Outdoor Research

Coole Hüte bei Outdoor Research

Outdoor Research – kurz: OR – ist in Amerika eine feste Größe und rangiert in den USA laut Gudio Anderwert, Marketing Manager Europe, auf Rang fünf oder sechs der Outdoor-Hersteller. Im europäischen Markt konnte OR lange nicht so recht Fuß fassen, vor allem weil es keinen eigenen Vertrieb gab. Das ist nun seit rund dreieinhalb Jahren anders und so wächst OR in Europa laut Anderwert um 50 bis 60 Prozent pro Jahr. Ein ausführliches Interview dazu lest ihr in Kürze auf Wanderschreiber.de.
Noch cooler: das ActiveIce Cap hat eine eigene Kühlung eingebaut.

Noch cooler: das ActiveIce Cap hat eine eigene Kühlung eingebaut.

Was die Produkte angeht, ist OR vor allem für Gamaschen, Handschuhe und natürlich seine Hut-Klassiker wie den „Sun Bucket“ oder den „Seattle Sombrero“ bekannt, den ich ja auch schon im Test hatte. Auf der Messe zeigte OR unter anderem eine überarbeitete Version der Gore-tex-Jacke „Axiom Jacket“ mit verbessertem Kapuzendesign und eine neue Softshell-Jacke („Allout Hooded Jacket“), die mit der OR-eigenen Mebrantechnologie „Ventia“ ausgestattet ist. Gut gefallen hat mir die „Prusik Pant“ aus Nylon Cordura, die sehr funktionell ist, aber gar nicht wie eine typische Outdoor-Hose aussieht – also quasi das umgekehrte „Urbaneering“-Prinzip, bei dem man in der Stadt so rumläuft, als ob man gerade auf dem Weg zum K2 wäre. Ziemlich „cool“ im wahrsten Sinne des Wortes fand ich die Kappen und Armlinge aus dem Material „ActiveIce“, das einen leichten Kühleffekt hatte. Dafür ist laut Hersteller ein „industrielles Süßungsmittel“ verantwortlich, das in den Produkten aus Polyester und Spandex verarbeitet wurde. Ich war ja zunächst skeptisch und hielt das für einen Marketing-Gag. Es funktioniert aber wirklich, davon konnte ich mich selbst überzeugen. Hammerschlag und Koffein
Bei Stanley Tradition: das Hammerschlag-Design

Bei Stanley Tradition: das Hammerschlag-Design

Kühlen, aber vor allem warm halten sind die Kernkompetenzen des Thermoskannenspezialisten Stanley, seit der GründernWilliam Stanley Jr. 1913 das Prinzip der doppelwandigen Isolationsflasche aus Stahl zum Patent anmeldete. Während es in den USA wahrscheinlich keinen Haushalt gibt, in dem nicht mindestens eine Stanley-Thermos herumsteht, kommt das altbackene Hammerschlag-Design in Europa nicht so an, obwohl die Produkte schon seit den 1980er Jahren auch hier zu Lande vertrieben werden. Der Hersteller, der seit 2002 zur PMI-Gruppe gehört, adressiert den europäischen Markt nun deutlich aggressiver, was sich auch im Messeauftritt manifestiert. Neben der „Classic Line“, deren Formensprache sich wohl seit den Anfängen kaum verändert hat, soll nun eine rundere und modernere „Adventure“-Linie neue Käuferschichten ansprechen. Sie ist außerdem leichter, weist aber auch eine etwas reduzierte Isolationsleistung auf. Die Beschichtung mit Hammerschlaglack bleibt aber den meisten Produkten erhalten, was sicher auch klug ist, macht es sie doch unverwechselbar.
Andi Lipp von outkomm erklärt das Vacuum Coffee System von Stanley.

Andi Lipp von outkomm erklärt das Vacuum Coffee System von Stanley.

Einige Modelle im eher gewohnten Edelstahl-Look gibt es aber auch, von denen mir vor allem das „Vacuum Coffee System“ gefallen hat. Das ist die Rundumlösung für Koffeinabhängige wie mich: Das Ding besteht aus einem Topf zum Wasserkochen, einem Sieb mit dem man nach dem „Bodum-Kannenprinzip“ den Kaffeesatz herunterdrücken kann, zwei Bechern und einer Thermoskanne. Im Schraubdeckel findet sich noch ein Fach für das Kaffeepulver. Nur Kocher und Wasser fehlen dann noch zum Kaffeekränzchen im Freien. Das Kaffeesystem, das ab September 2014 erhältlich sein soll, gibt es in zwei Größen. Das kleine Set hat eine 0.5-Liter-Thermoskanne, wiegt knapp 900 Gramm und kostet 62,90 Euro (UVP), das große mit einem Liter Fassungsvermögen kommt auf 1200 Gramm und ist für 67,90 Euro zu haben. Wie aus einem Rucksack ein Schuh wird
Bekommen ein neues Tragesystem spendiert: die Backpacks Baltoro und Deva von Gregory

Bekommen ein neues Tragesystem spendiert: die Backpacks Baltoro und Deva von Gregory Foto: Gregory

„Ein Rucksack muss passen wie ein Schuh“, das ist das Credo des US-Herstellers Gregory. Deshalb gibt es die Packs auch nicht in einer Einheitsgröße mit verstellbarem Tragesystem, sondern in drei verschiedenen Varianten für unterschiedlichen Rückenlängen – natürlich jeweils für Männer und für Frauen. So ganz haut der Schuhvergleich damit natürlich nicht hin, man stelle sich vor es gäbe Galoschen nur in „S“, „M“ und „L“… Für die Frühjahr- / Sommersaison 2015 hat Gregory bei seinen Flaggschiffen „Baltoro“ und „Deva“ das Tragesystem überarbeitet. Ich konnte den Baltoro kurz Probe tragen und muss sagen: das Ding sitzt wie angegossen. Einschränkend muss ich allerdings hinzufügen, dass der Testsack nur mit ungefähr 10 kg beladen war. Ob sich das Backpack auch noch mit 20 kg und über längere Zeit gut tragen lässt, müsste ein ausführlicherer Test zeigen. Besonders gefallen haben mir bei den 2015er-Modellen die unabhängig voneinander beweglichen Flossen des Hüftgurts. Sie sind außerdem in zwei Positionen verstellbar, ebenso wie die Schultergurte. Pfiffig ist auch das herausnehmbare Innenfach für die Trinkblase: Es hat Schultergurte und lässt sich so als Daypack verwenden. Ganz neu bei Gregory, zumindest in Europa, sind besonders leichte Trailrunning-Rucksäcke und die Retro-Linie „Sunbird“, die mit ihrem Design an die Anfangszeiten des Unternehmens in den 1970er-Jahren erinnern soll. Grüner wird’s nicht
Vaude Simony Jacket

Vaude Simony Jacket Foto: Vaude

Auch wenn Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Outdoor-Branche immer mal wieder diskutiert werden, beim Produktdesign spielen sie weiterhin eine untergeordnete Rolle. Eine rühmliche Ausnahme ist da das schwäbische Familienunternehmen Vaude, das sich zum Ziel gesetzt hat, der umweltfreundlichste Hersteller von Outdoor-Kleidung und -Equipment zu werden. Der Hersteller hat in diesem Jahr zum ersten Mal einen Nachhaltigkeitsbericht nach der aktuellen GRI-Richtlinie (Global Reporting Initiative) G4 herausgegeben. Das Framework soll anhand zahlreicher Indikatoren die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bewerten, diese Bewertung standardisieren und so vergleichbar machen. Was die Produkte angeht, war für mich in diesem Jahr nicht viel dabei – Vaudes aktuelle Lieblingszielgruppe sind nämlich Frauen. So gab es mit „Skomer“ eine Wanderkleidungsserie für Outdoorerinnen zu sehen, die auch am Berg immer topmodisch aussehen wollen. Außerdem werden 2015 überarbeitete Versionen der Frauenwanderrucksäcke „Gomera“, „Tacora“ und „Maremma “ in die Läden kommen. Mit ihrer schlanken Form, einer kürzeren Rückenpartie, leicht gepolsterten Hüftflossen und weichen, speziell geformten Schulterträgern in S-Form sind sie Frauen auf den weiblichen Leib geschneidert. Ein interessantes Produkt für Männer habe ich am Vaude-Stand dann doch noch entdeckt: Die Hybrid-Isolationsjacke „Simony Jacket“ wiegt nur 280 g, soll aber trotzdem für angenehme Wärme sorgen. Rumpf und Kapuze sind mit Primaloft Gold wattiert, die Ärmel bestehen dagegen nur aus einem dünnen, elastischen Material. Hier geht es zum Interview mit Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz. Zu guter Letzt noch einige Impressionen von meinem Messerundgang in Bild und (wenig) Wort:

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