Interview mit Guido Anderwert, Outdoor Research: „Wir bieten viel mehr als nur Gamaschen und Hüte!“

Guido Anderwert Marketing Manager Outdoor Research - Europe, Inc.

Guido Anderwert Marketing Manager Outdoor Research - Europe, Inc.

Der amerikanische Hersteller Outdoor Research (OR) ist hier zu Lande vor allem als Spezialist für Handschuhe, Gamaschen und Hüte wie den "Seattle Sombrero" bekannt. Wir haben Guido Anderwert,  Marketing Manager Outdoor Research - Europe, Inc., auf der OutDoor 2014 getroffen und ihn nach der Europastrategie von OR befragt. Wanderschreiber: In Europa gehört Outdoor Research – kurz OR, zu den weniger bekannten Marken. Magst du uns in ein paar Worten erklären, was Outdoor Research ist und wo die Marke herkommt? Guido Anderwert: OR wurde 1981 von Ron Gregg in Seattle gegründet. Im Jahr 2003, nach dem tragischen Tod von Ron, hat Dan Nordstrom das Unternehmen übernommen und ganz in Rons Sinn weitergeführt. Obwohl Dan aus einer Warenhaus-Dynastie stammt, ist er nicht an Luxus interessiert, sondern verbringt seine Freizeit als ein eingefleischter Kletterer am liebsten draußen. Man kennt uns vor allem als Hersteller von Accessoires wie Handschuhe, Gamaschen und Hüte, unser Portfolio hat sich aber kontinuierlich weiter entwickelt. Heute führen wir auch Jacken und Hosen, Rucksäcke und anderes. Wie viele privat geführte Unternehmen gibt auch OR keine Umsatzzahlen heraus, kannst du trotzdem etwas darüber verraten, wie sich die Marke entwickelt? Guido Anderwert: In Nordamerika sind wir einer von den großen, an 5. oder 6. Stelle im Outdoor-Markt. Auch in Südamerika und Südkorea sind wir recht stark. In Europa stecken wir noch in den Anfängen, wachsen aber mit 50 bis 60 Prozent pro Jahr, seit wir vor zirka dreieinhalb Jahren mit einem eigenen Vertrieb hier vertreten sind. Unsere größte Herausforderung ist immer noch, dass die Marke wenig bekannt ist. Die Leute kennen vielleicht das OR-Logo, verbinden es aber nicht mit Outdoor Research. Und selbst die, denen Outdoor Research ein Begriff ist, haben nur eine ungefähre Vorstellung von unserem Portfolio. Besucher am Stand sagen oft: „Ihr habt ja eine Riesenkollektion, nicht nur Gamaschen und Hüte! Wie groß ist der Europa-Anteil am Gesamtumsatz? Guido Anderwert: Das sind ungefähr 10 bis 15 Prozent. Anfang des Jahrtausends war die US-Armee einer eurer Hauptkunden, ist das heute immer noch so? Guido Anderwert: Das Militär ist immer noch eine wichtige Größe für Outdoor Research, hat aber längst nicht mehr die Bedeutung. Der Umsatzanteil liegt bei zirka 10 bis 20 Prozent. Die Konzentration im Outdoor-Markt ist unübersehbar. Ist Outdoor Research groß genug, um zu überleben oder ist OR ein Übernahmekandidat? Guido Anderwert: Die Luft ist sicher dünner geworden. Wir haben aber den großen Vorteil, dass wir in Nordamerika sehr weit sind, da wird uns in Europa nicht so schnell die Puste ausgehen. Der Outdoor-Markt wird ohnehin nicht durch Übernahmen vorangetrieben, sondern durch Innovationen, und die kommen nicht notwendigerweise von den Großen. Wie ernst ist denn dem Mutterhaus das Europa-Engagement? Viele amerikanische Unternehmen verlieren schnell die Lust, wenn es nicht ganz so läuft wie sie sich das vorstellen. Guido Anderwert: Outdoor Research ist ein privates Unternehmen mit einer nachhaltigen und langfristigen Philosophie, da mache ich mir gar keine Sorgen. Klar muss man immer wieder analysieren und anpassen, die Kosten im Griff haben, aber wird sind hier, um zu bleiben. Man redet viel über Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen. Was macht OR in diesem Bereich? Guido Anderwert: Wir sind Gründungsmitglied und auch im Vorstand der Outdoor Industry Association (OIA) und arbeiten dort in Kommissionen mit, in denen es um soziale Verantwortung und Umweltthemen geht. Ist OR Mitglied bei Bluesign oder der Fair Wear Foundation? Guido Anderwert: Nein, solche Labels kosten viel Geld und der Effekt ist doch eher fraglich. Wir versuchen lieber, die Mittel effektiver einzusetzen, um für gute Arbeitsbedingungen und umweltfreundliche Produkte zu sorgen, ohne dass wir dafür ein Siegel brauchen. Wer überprüft ihr die Fabriken in Fernost, macht ihr das selbst? Guido Anderwert: Ja, zum Teil aber auch die OIA. Die Fabriken, die für uns Produkte herstellen, sind allein deshalb schon motiviert, ihre Mitarbeiter gut zu behandeln und gut zu bezahlen, weil sie gut ausgebildete Leute brauchen, um die von uns geforderte Qualität liefern zu können. Wir versuchen, mit möglichst wenigen Fabriken zusammenzuarbeiten, damit wir den Überblick behalten und diese auch effektiv kontrollieren können. Spätestens seit dem Greenpeace-Report „Chemie für Gipfelstürmer", der das Problem massiv thematisiert hat, ist die Ausrüstung von Outdoor-Kleidung mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Perfluorcarbonen (PFCs) ein Thema. Wie geht OR damit um? Guido Anderwert: Wir finden es gut, dass es den Greenpeace-Bericht gibt, denn das erhöht den Druck auf die Branche. Als kleiner Hersteller kann man ja alleine den Markt nicht verändern. Allerdings verlangen die Kunden auch immer bessere Performance und die ist derzeit ohne Chemie nicht zu haben. Grundsätzlich stellen wir aber Produkte her, die langlebig sind, das ist ökologisch gesehen das Beste. Schmälern langlebige Produkte nicht Umsatz und Gewinn? Schließlich entsteht so viel weniger Ersatzbedarf. Guido Anderwert: Unsere ganze Firma ist überzeugt, dass wir mit robusten Produkten, Kundenservice, Ehrlichkeit und fairen Preisen langfristig am besten fahren. Vielleicht werden wir so nicht die Größten, das müssen wir aber auch nicht. Um mit dieser Strategie zu wachsen, müsst ihr euch neue Käuferschichten erschließen. Welche Zielgruppen habt ihr dabei im Visier? Guido Anderwert: In Europa sind wir stark auf unsere Kernzielgruppen konzentriert – Bergsteiger, Eiskletterer, Bergführer, anspruchsvolle Skifahrer. Wir glauben, dass diese Menschen auch eine Vorbild- und Multiplikatorenfunktion haben und so auch eine größere Klientel beeinflussen. Schließlich haben wir auch nichts dagegen, wenn ein Städter beim Gassi gehen mit dem Hund eine unserer Jacken trägt.

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