Birden auf der Varanger-Halbinsel – Teil 3: Von Ekkerøy nach Vardø

 
Auf dem Weg zum Finnesvatn, Foto: Thomas Hafen

Auf dem Weg zum Finnesvatn, Foto: Thomas Hafen

Am kommenden Tag fahren wir von Ekkerøy Richtung Norden mit Ziel Vardø. Unterwegs halten wir an den vielen Beobachtungspunkten, die in unserem Vogelführer beschrieben sind. Besonders gefällt uns der Steinbruch kurz vor Skallneset. Dort steht man windgeschützt und kann bequem Meerstrandläufer (Calidris maritima) beobachten, die direkt vor den Füßen umherlaufen. Auch die Beobachtungsstelle vor der Flussbrücke über den Skallelv ist sehr ergiebig. Wir halten und sehen prompt sieben Saatgänse (Anser fabalis). Bei genauerem Hinsehen entdecken wir auch noch eine Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus).
Schneeammer (Plectrophenax nivalis), Foto: Thomas Hafen

Schneeammer (Plectrophenax nivalis), Foto: Thomas Hafen

Meerstrandläufer (Calidris maritima), Foto: Thomas Hafen

Meerstrandläufer (Calidris maritima), Foto: Thomas Hafen

Bei Kommagnes biegen wird von der Hauptstraße auf eine unbefestigte Straße ab, die ins Hochland zum Finnesvatnet führt. Hier soll es einen Balzplatz der Kampfläufer geben. Nach wenigen hundert Metern ist allerdings Schluss. Eine große Pfütze und letzte Schneereste machen es unmöglich, mit unserem sommerbereiften Miet-Mondeo weiterzufahren. Wir parken das Auto neben zwei anderen, die wohl denselben Entschluss gefasst haben, und gehen zu Fuß weiter. Es liegt noch viel Schnee und wir sehen nur die üblichen Fjäll-Vögel – Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria), Schnee- und Spornammer (Calcarius nivalis und C. laponica), Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) und Wiesenpieper (Anthus pratensis). Nach wenigen Kilometern fangen unsere Mägen an zu knurren: Es ist Mittagszeit und der Proviant im Auto. Wir kehren um und beschließen, am Ende der Woche einen neuen Versuch zu wagen, in der Hoffnung, dass die Straßenverhältnisse bis dahin besser geworden sind.
Spornammer (Calcarius lapponicus), Foto: Thomas Hafen

Spornammer (Calcarius lapponicus), Foto: Thomas Hafen

Der nächste Stopp ist die Landzunge bei Komagværnes, von wo man Chance auf Gelbschnabeltaucher (Gavia adamsii), Scheckente (Polysticta stelleri) und Prachteiderente (Somateria spectabilis) haben soll. Die finden wir alle nicht – dafür endlich die ersten Odinshühnchen (Phalaropus lobatus) der Reise. Auch Meerstrandläufer (Calidirs maritima) und ein paar andere Limikolen tummeln sich am felsigen Strand. Von Vardø her nähert sich allerdings eine Schlechtwetterfront und als es waagerecht zu schneien beginnt, beschließen wir, abzubrechen und in unsere Unterkunft zu flüchten. Auf dem Rückweg halten wir noch einmal kurz am Skallelv hinter der Brücke. Die Gänse sind noch da und eine davon pflügt regelrecht den Boden um, was noch einmal bestätigt, dass es sich um eine Kurzschnabelgans handelt. Nach einer ausgiebigen Ruhepause erkunden wir die nähere Umgebung und fahren die wenigen Meter bis Ekkerøy zum Vogelfelsen. Dort brüten rund 15.000 Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla), einige weitere Möwenarten und Schmarotzerraubmöwen. Ein kurzer und ein langer Rundweg führen auf den Felsen und über die Insel. Von einem Stichweg aus kann man sich der Kolonie von unten nähern. Nachdem wir das gemacht haben, absolvieren wir noch den kurzen Rundweg auf der Klippe. Viel von der Kolonie bekommt man dabei nicht mit, von der Geräuschkulisse abgesehen, aber immerhin sehen wir einige Schmarotzerraubmöwen. Kurz vor Schluss fliegt noch ein Falke mit schnellem Flügelschlag vorbei – es ist ein Wanderfalke (Falco peregrinus) und damit eine neue Art für unsere Reiseliste!   Wetter: Sehr kalt und windig, weitgehend trocken, über Mittag etwas Sonne, später Schneeschauer, gegen Abend trocken und nicht mehr ganz so windig.  
Prachteiderenten (Somateria spectabilis) Foto: Thomas Hafen

Prachteiderenten (Somateria spectabilis) Foto: Thomas Hafen

Wir starten am nächsten Tag einen neuen Versuch, Vardø zu erreichen und fahren auf dem Weg nach Norden an den Beobachtungspunkten vorbei, die wir gestern schon besucht haben. Nur an der Skallelv-Brücke machen wir eine Ausnahme. Heute sind allerdings keine Gänse zu sehen. Den nächsten Stopp legen wir in Indre Kiberg ein, wo wir eine Gruppe amerikanischer Birder aus Washington D.C. treffen. Einer erzählt uns, dass sie Prachteiderenten gesehen hätten – wir sind elektrisiert. Zum Glück kann man nach einiger Kletterei über die Felsen einen windgeschützten Punkt erreichen – eine Wohltat bei drei Grad Außentemperatur und ordentlichem Sturm. Tatsächlich entdecken wir nach einigem Schauen unter Hunderten von Eiderenten einige unausgefärbte Männchen sowie Weibchen der Prachteiderenten – und dann endlich auch ein Männchen im Prachtkleid!
Vardø. Foto: Thomas Hafen

Vardø. Foto: Thomas Hafen

Nach diesem Highlight des Tages könnten wir eigentlich umkehren – aber wir fahren natürlich weiter und erreichen schließlich durch einen Tunnel den Ort Vardø. Das Wetter wird immer schlechter, es stürmt und regnet bei Temperaturen knapp über Null. Was macht man bei so einem Wetter am besten? Richtig: Einkaufen, was wir im Supermarkt „Knut Bye Kolonial“ erledigen. Am Hafen erkundigen wir uns nach den Abfahrtszeiten für das Boot zu Vogelinsel Hornøya. Die Dame im Hafenbüro erzählt uns, dass am Mittwoch der Sommer kommt – na hoffentlich! Auf dem Rückweg sehen wir am Domen-Pass noch zwei Moorschneehühner (Lagopus lagopus) aber leider kein Alpenschneehuhn (L. muta) und natürlich auch wieder keine Schneeeule (Bubo scandiacus), obwohl die sich laut unserem Vogelbuch hier gelegentlich aufhalten soll.
Mag keine Sauna: Sumpfohreule (Asio flammeus). Foto: Thomas Hafen

Mag keine Sauna: Sumpfohreule (Asio flammeus). Foto: Thomas Hafen

Abends heizt Pit die Sauna ein und wir wärmen uns nach dem frostigen Tag in der Schwitzhütte wieder auf. Vom Saunafenster aus können wir Seeadler (Haliaeetus albicilla), Austernfischer (Haematopus ostralegus), Trauerente (Melanitta nigra), Haussperling (Passer domesticus) und Silbermöwe (Larus argentatus) beobachten – keine schlechte Saunaliste, auch wenn sich die Sumpfohreule (Asio flammeus) ausgerechnet heute nicht blicken lässt.
Da waren die Finger noch dran. Foto: Peter Brützel

Da waren die Finger noch dran. Foto: Peter Brützel

Zum Abendessen serviert uns Pit ein spanisches Omelett. Ich säble mir beim Zwiebel schneiden (fast) drei Finger ab, aber zum Glück kann man ein Fernglas auch einhändig bedienen. Beim Kochen stellen wir entsetzt fest, dass wir die sündteuren Eier aus dem Kolonialwarenladen zwar gekauft, aber nicht eingepackt haben. Günther wird noch am selben Abend zum Eierbeauftragten ernannt, der ab sofort bei jedem Einkauf überprüfen muss, ob die Eier ordnungsgemäß verstaut wurden.   Wetter: kalt und sehr windig, wechselhaft mit Regenschauern Weitere Bilder:

4 comments to Birden auf der Varanger-Halbinsel – Teil 3: Von Ekkerøy nach Vardø

  • Hallo,

    Euer Reisebericht hat uns sehr interessiert. Wir fanden ihn informativ und anschaulich. Wir sind gerade dabei, uns ab Anfang Juni bis Ende Juni auf den Weg Richtung Norden zu machen, zum Varangerfjord. Von Grafing über Fehmarn, Öresundbrücke, hoch nach Finnland und weiter zum Varangerfjord. Das ist zumindest der Plan.
    Zu welcher Jahreszeit seid Ihr dort gewesen?

    Man sieht noch Schnee.

    Viele Grüsse

    Uta und Lutz Schmechta

  • Chris

    Hallo,
    ich schließe mich meinem Vorredner an – danke für den informativen Bericht. Auch meine Frage ist die selbe: Wann genau ward ihr oben? Aus den Angaben zu den Tagebüchern lese ich Anfanh Juli heraus – Witterung und Beobachtung scheinen eher für eine früheren Zeitpunkt zu sprechen – oder irre ich daß wir wollen Anfanh Juli diesen Jahres hoch – und da wäre es natürlich toll zu erfahren, ob eure Beobachtungen in die gleiche Reisezeit fallen

    herzliche Grüße

    Chris

  • Hallo, wir waren Ende Mai, Anfang Juni dort.
    Viele Grüße, Thomas

  • Chris

    HAllo,

    Danke für die info – so etwa hätte ich das auch eingeschätzt – leider sind wir an die schulferien gebunden, und da wird es vor Anfang Juni nie etwas mit der Subarktis…. Bin gespannt, was wir noch an Vögeln antreffen werden!

    Viele Grüße

    Chris

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