Der Garten als Paradies – (nicht nur) für Bienen

Bruno P. Kremer: Mein Garten – ein Bienenparadies

Bruno P. Kremer: "Mein Garten – ein Bienenparadies" Foto: Haupt Verlag

Der Honigbiene geht es nicht gut, das dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Erst ist im vergangenen Jahr zeigte der Film „More than Honey“ das ganze Ausmaß der Katastrophe: Auf riesigen Plantagen schuftet sich unser kleinstes Nutztier (wenn man einmal von der Käsemilbe absieht) bei der Bestäubung buchstäblich zu Tode. Andere Bienenvölker finden in der ausgeräumten, mit gentechnisch veränderten Pflanzen verseuchten Landschaft keine Nahrung oder werden durch Nervengifte geschädigt, mit denen die Agrarindustrie ihr Saatgut vergiftet. Wer dann noch übrig bleibt, den erwischt die Varroamilbe. Weniger bekannt ist, dass es um die wilden Verwandten der Honigbiene noch schlechter bestellt ist. Von den 547 in Deutschland vertretenen Arten, stehen über 50 % auf der Roten Liste, das heißt, sie sind im Bestand gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Zumindest einigen von ihnen kann jeder Gartenbesitzer helfen, indem er seine Beete und Rabatte in Bienenparadiese verwandelt. Die 200 besten Pflanzen dafür stellt Bruno P. Kremer in seinem Buch „Mein Garten – ein Bienenparadies“ vor. Alle sind nach Ansicht des Autors von besonderem Wert für die Bienen, sei es, weil sie viel Nektar oder Pollen bieten, oder weil sie sehr früh oder sehr spät im Jahr blühen und so das saisonale Nahrungsangebot verlängern. Zunächst einmal lernen wir aber im einführenden Kapitel die Bienen selbst näher kennen. Kremer beschreibt kurz die systematische Einordnung und Bedeutung des „Haustiers Honigbiene“, geht auf deren wilde Verwandtschaft ein und erläutert, wie Bienen Pollen und Nektar sammeln und wie aus dem Nektar Honig wird. Auch Nisthilfen wie Hummelburgen und Insektenhotels werden vorgestellt. Das alles ist zwar recht kurz, aber interessant und lebendig geschrieben. Nach den knapp 30 Seiten Einführung kommt Kremer zum eigentlichen Thema – den 200 Pflanzenporträts. Seine Auswahl enthält neben Wildkräutern auch Gartenpflanzen wie Phlox, Kartoffelrose und Schmetterlingsstrauch. Sogar der Raps ist vertreten, was ich für etwas seltsam halte. Schließlich erwartet man bei einem Buch mit dem Titel „Mein Garten – ein Bienenparadies“ Pflanzen, die für den Garten geeignet sind. Der Raps gehört wohl eher nicht dazu, auch wenn Nektar- und Pollenwert sehr hoch sind. Das findet sogar der Autor selbst und schreibt als „Tipp für den Garten“: „Anpflanzung ... nicht notwendig.“ Bei der Reihenfolge der Artenporträts orientiert sich Kremer an einer von der Angiosperm Phylogeny Group (APG III, 2009) festgelegten Systematik. Das macht es für Leser wie mich, die sich nicht (mehr) besonders gut in Pflanzensystematik auskennen, schwierig, einzelne Arten ohne Zuhilfenahme des Inhaltsverzeichnisses zu finden. Eine alphabetische Anordnung, wie sie in vielen populären Gartenbüchern üblich ist, hätte der Wissenschaftlichkeit zwar Abbruch getan, aber mir einiges Blättern erspart. Alle Porträts sind nach demselben Schema aufgebaut: Eine Tabelle informiert über Blütezeit, den Zeitpunkt der Tracht (Frühling, Sommer oder Herbst), Nektar- und Pollenwert. Die Abschnitte „Steckbrief“ und „Blüten“ nennen die Erkennungsmerkmale, im „Insektenbonus“ wird kurz die Eignung der jeweiligen Pflanze für Bienen und Hummeln erläutert, unter „Vorkommen“ sind Herkunft und Standort zu finden und im „Tipp für den Garten“ (der auch mal fehlen kann) gibt es zusätzliche Hinweise. Ingesamt sind die Porträts durch diesen einheitlichen Aufbau sehr informativ und lassen sich leicht vergleichen. Die Unterschiede zwischen den Nektar- und Pollenwerten erschließen sich mir allerdings nicht ganz. Es gibt neben „kein“, „gering“, „mittel“, „hoch“ und „sehr hoch“ auch noch „gut“, was nicht in das Schema passt. Letztendlich ist das aber kein Beinbruch, da ja alle 200 vorgestellten Pflanzen prinzipiell für Bienen eine gute Nahrungsquelle darstellen. Da wiegt für mich schon schwerer, dass die Standortansprüche nicht klar erkennbar sind. Zwar lassen sich diese aus dem Abschnitt „Vorkommen“ meist indirekt herauslesen, für eine schnelle Orientierung würde ich aber die auch auf Pflanzenetiketten üblichen Symbole für „Sonne“, „Halbschatten“ und „Schatten“ bevorzugen. Der Inhaltsteil des Buches schließt mit einem sehr schönen übersichtlichen Blühkalender, aus dem mit einem Blick die Blütezeit und Blütenfarbe der jeweils vorgestellten Pflanze ersichtlich sind. Wenn dieser Kalender jetzt noch den Nektar- und Pollenwert sowie die Standortansprüche enthielte, wäre er perfekt. Insgesamt ist „Mein Garten – ein Bienenparadies“ ein sehr informatives, schönes und gut geschriebenes Buch, das sich eher für den erfahrenen Gärtner eignet, der die systematische Einordnung und die Standortansprüche der gängigen Gartenpflanzen kennt, und sich vor allem für die spezifischen Information zur Bienenfreundlichkeit interessiert. Bruno P. Kremer Mein Garten – ein Bienenparadies Die 200 besten Bienenpflanzen ISBN: 978-3-258-07844-1 1. Auflage 2014 272 Seiten, über 560 Farbfotos Flexibroschur, 15,5 x 22,5 cm, 697 g Haupt Verlag CHF 38.90 (UVP) / EUR 29.90 (D) / EUR 30.80 (A)   Andere Rezensionen lesen Blick ins Buch werfen Bei Amazon kaufen   Zum Schluss noch eine Bitte: Helfen Sie mit, ein Verbot der für Bienen so schädlichen Neonikotinoide durchzusetzen! Weitere Informationen dazu unter www.bund.net/honigbiene Unterzeichnen Sie auch den Appell gegen das Bienensterben und für eine artenreiche Landwirtschaft unter www.campact.de/bienensterben-stoppen/

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