Gärtnern für Tiere – das etwas andere Naturgarten-Buch

Adrian Thomas: Gärtnern für Tiere

Adrian Thomas: "Gärtnern für Tiere" Foto: Haupt Verlag

Ein tierfreundlicher Garten, damit setzen wohl die meisten einen naturnahen oder gar verwilderten Garten gleich, mit einheimischen Pflanzen und unordentlichen Ecken voller Brennnesseln, Reisighaufen und Kompostmieten. Genau so dachte ich auch, als ich vor vier Jahren mit der Umgestaltung unseres Gartens begann. Nun will mich Adrian Thomas mit seinem Buch „Gärtnern für Tiere“ eines Besseren belehren. Gleich zu Beginn räumt er mit einigen Irrtümern auf, etwa, dass ein tierfreundlicher Garten naturnah gestaltet sein müsse und nur einheimische Pflanzen enthalten dürfe. Na ja, zumindest Letzteres habe ich auch schon anders gelesen. So weist etwas Reinhard Witt in seinem Klassiker „Der Naturgarten“ sehr deutlich nach, dass einheimische Sträucher und Bäume wesentlich mehr Tierarten Nahrung bieten als exotische Vertreter derselben Gattung oder Züchtungen, die in der Natur gar nicht vorkommen. Ein bisschen will Thomas mit diesen Aussagen aber wohl nur provozieren, so mein Eindruck, und vor allem der Vorstellung entgegenwirken, es gäbe ein einziges Patentrezept für den tierfreundlichen Garten. Stattdessen gibt es so viele Arten von wildtierfreundlichen Gärten wie es unterschiedliche Ansprüche von Tierarten gibt. Der Gartenbesitzer muss also entscheiden, welche Wildtiere er unterstützen möchte – und dabei vor allem auch seine näheres und weiteres Umfeld im Auge behalten. Es hat nämlich keinen Sinn, Tiere anlocken zu wollen, die gar nie in die Nähe des Gartens kommen, wie Thomas sehr richtig darlegt. Dieser Logik folgt der Autor dann konsequent im zweiten Teil des Buches und stellt mehrere Hundert Tierarten mit ihren jeweiligen Ansprüchen an ihren Lebensraum vor. So kann man leicht erkennen, welchen Tierarten der Garten schon jetzt gefallen könnte oder welche Umgestaltungsmaßnahmen notwendig wären. Man erkennt aber auch schnell, warum so manche Wunschart sich nicht blicken lässt oder welche Ansiedlung auf jeden Fall scheitern muss. Thomas beginnt das Artenkapitel mit der Vorstellung der häufigsten Vogelarten – sehr nachvollziehbar, da Vögel die auffälligsten Bewohner des Gartens sind und von den meisten Gartenbesitzern auch gern als Gäste gesehen werden. Seine Auswahl beruht allerdings auf den in Großbritannien häufigsten Arten. Das sind zwar weitgehend dieselben wie bei uns, wahrscheinlich hätte ein deutscher Autor aber doch etwas andere Schwerpunkte gesetzt. So fehlt etwa der Girlitz, der bei uns, aber nicht in Großbritannien vorkommt, der Gartenbaumläufer – ebenfalls nicht in Großbritannien heimisch – wird nur am Rande erwähnt. Stattdessen wird der Waldbaumläufer vorgestellt, der bei uns eher ein typischer Waldbewohner höherer Lagen und kaum in Gärten zu finden ist. Ob Stockente, Fasan, Graureiher, Teichhuhn oder gar Silbermöwe etwas in einem Buch über Gartentiere zu suchen haben, darüber mag man trefflich streiten. Im deutschen Siedlungsgarten einer größeren Stadt wird man ihnen wohl kaum begegnen, ebenso wenig wie Schleiereule, Waldkauz oder Halsbandsittich. Ergänzt werden die Artenkapitel der Vögel um allgemeine Hinweise zu Nistkästen, Tränken und Fütterung. Wie in England üblich empfiehlt auch Thomas die ganzjährige Fütterung, die ja leider von den meisten Naturschutzverbänden in Deutschland immer noch massiv bekämpft wird. Dabei zeigt unter anderem der weltbekannte Ornithologe Prof. Dr. Peter Berthold in seinem Buch "Vögel füttern, aber richtig", wie sinnvoll und notwendig die ganzjährige Fütterung ist. Als zweite Gruppe stellt Thomas die Tagfalter vor - wahrscheinlich weil sie auf der Beliebtheitsskala der meisten Gärtner gleich nach den Vögeln rangieren. Systematisch gesehen ist das allerdings unlogisch, da andere Insekten wie Bienen und Wespen erst nach den Säugetieren, Reptilien und Amphibien behandelt werden. Weitere Artenkapitel sind Libellen, Nachtfaltern, anderen Insekten, Spinnen sowie weiteren Wirbellosen gewidmet. Sie fallen naturgemäß kürzer aus, teils weil – wie bei Reptilien und Amphibien - nur sehr wenige Arten unsere Gärten besuchen, teils weil – wie bei den Käfern – Hunderte oder Tausende von Arten in Deutschland vorkommen, die oft nur von Spezialisten zu unterscheiden sind. Bei allen Art- bzw. Familienkapiteln ist der interessanteste Abschnitt immer mit „Daher ...“ überschrieben. In ihm gibt Thomas konkrete Tipps wie man dem betreffenden Tier einen besonders einladenden Garten gestalten kann, aber auch was man bei Problemarten wie Ratten oder Schnecken tun muss, um ihnen den Aufenthalt zu verleiden. Nach den detaillierten Artentipps geht es nun ins Praktische. Im Abschnitt „Verschiedene Lebensräume gestalten“ stellt Thomas unterschiedliche Biotope vor, erklärt wie man sie anlegt und welche Tiere man damit fördert. Die meisten der Gartentypen dürften für den typischen deutschen Reihenhausgarten allerdings fünf Nummern zu groß sein. Immerhin erklärt der Autor zu jedem Gartentyp, wie sich das entsprechende Biotop auch auf kleinem Raum nachempfinden lässt, etwa indem man die Pflanzen in Töpfen hält oder Bäume auf Spalier zieht. Nach den speziellen Biotophinweisen gibt Thomas eher allgemeine Tipps wie man kleine und große Gärten, Balkone, Zier- oder Nutzgärten wildtierfreundlich gestaltet, einen Komposthaufen anlegt und einiges mehr. Schließlich stellt das Buch 300 Pflanzenarten und Kurzporträts vor, die sich besonders für tierfreundliche Gärten eignen und endet mit einem Arbeitskalender für das Gärtnern rund ums Jahr. Insgesamt ist Gärtnern für Tiere genau das, was der Untertitel verspricht: ein Buch für die Praxis mit vielen Tipps für einen tierfreundlicheren Garten, der nicht notwendigerweise ungepflegt oder verwildert aussehen muss.   Adrian Thomas Gärtnern für Tiere Das Praxisbuch für das ganze Jahr 1. Auflage 2013 240 Seiten, durchgehend farbig gebunden, 21,5 x 27,5 cm, 1183 g CHF 38.90 (UVP) / EUR 29.90 (D) / EUR 30.80 (A) ISBN 978-3-258-07759-8 Andere Rezensionen lesen Blick ins Buch werfen Bei Amazon kaufen

1 comment to Gärtnern für Tiere – das etwas andere Naturgarten-Buch

  • Andreas

    Sehr schöne Rezension! In unserem Garten sehen wir aber regelmäßig einen Fasan und auch eine Schleiereule war schon da. Aber er liegt ja auch auf dem Land und nicht in der Stadt. 😉

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