Eine Nacht auf dem Rötelstein

Sonnenaufgang über dem Kochelsee

Sonnenaufgang über dem Kochelsee

Der Rötelstein ist mit seinen 1394 Metern Höhe ein eher unscheinbarer Gipfel im Estergebirge, der im Schatten seiner weitaus bekannteren Kollegen Heimgarten und Herzogstand steht. Dennoch ist er ein lohnendes Ziel, vor allem wenn man eine Übernachtung plant: Direkt unter dem Gipfelkreuz gibt es nämlich eine Holzplattform, auf der man bequem biwakieren kann. Genau das Richtige für mich, um den Biwaksack Powertex Bivibag I von Salewa auszuprobieren, den mir die Bergfreunde für einen Test zur Verfügung gestellt haben. (Den ausführlichen Testbericht findet ihr in der Kategorie „Ausrüstung“.) Die Wanderung auf den Rötelstein bot mir außerdem die Gelegenheit, die neue Touren-App des Alpenvereins auszuprobieren. Diese wurde vor kurzem zusammen mit dem Portal „alpenvereinaktiv.com“ gestartet und ist kostenlos für iOS und Android verfügbar. In der App gibt es auch eine Tourbeschreibung für den Rötelstein, der ich weitgehend gefolgt bin. Da ich mit dem Zug angereist bin, ergibt sich allerdings am Anfang und am Ende der Tour ein etwas anderer (weiterer) Wegverlauf: Vom Bahnhof Ohlstadt geht man gerade aus den Bahnhofweg entlang, überquert die St2562 und geht weiter gerade aus, bis man auf einen Bach stößt, die Kaltwasserlaine. Dieser folgt man nun nach links und bleibt immer in Ufernähe, während man durch Felder und am Freibad vorbei bergauf wandert und nach ca. 20 Minuten den unteren der beiden Wanderparkplätze erreicht. Von hier aus ist der Weg zu den Kaltwasserfällen – unserem ersten Ziel – bereits ausgeschildert. Allerdings war dieser Weg zum Zeitpunkt meiner Wanderung durch einen Murenabgang verschüttet und deshalb gesperrt. Es empfiehlt sich deshalb, gerade aus weiter bis zum oberen Wanderparkplatz weiterzugehen und von dort der Beschilderung Richtung Kaltwasserfälle zu folgen.
Kaltwasserfälle

Kaltwasserfälle

Nach ca. 15 Minuten erreicht man die Fälle. Dabei handelt es sich eher um Kaskaden, die sich über einige Steinstufen ergießen – nicht spektakulär, aber doch recht malerisch. Den besten Blick auf sie hat man, wenn man direkt vor der kleinen Fußgängerbrücke den Abhang einige Meter hinunter steigt. Ein kurzes Stück Stahlseil hilft bei der leichten Kletterei. Nach dem Fotostop geht man nun unmittelbar vor dem Brücklein einen steilen Treppenweg hinauf, der Beschilderung Richtung Heimgarten folgend.  Bald gabelt sich der Weg. Ich nehme die rechte Abzweigung, die linke geht aber genau so, denn beide Routen treffen nach kurzer Zeit auf eine Kiesstraße, der man nach rechts folgt, um an der nächsten Abzweigung gleich wieder nach links abzubiegen. Kurz darauf zweigt der Weg zur „Veste“ ab, wo man die Reste der „Schaumburg“ betrachten kann, die bereits im 5. Jhdt. u. Z. von den Skyren als Holzburg errichtet worden war. Heute sind von der Anlage allerdings nur noch ein paar unterirdische Gänge zu sehen. Ich spare mir den Umweg zur Veste, da ich ja noch bei Tageslicht meinen Biwakplatz erreichen möchte, und gehe weiter gerade aus steil bergauf. Nach zirka 15 Minuten erreicht man eine weitere Fahrstraße, die nach scharf links abbiegt und die mit einem Wegweiser Richtung Heimgarten und Rauheck gekennzeichnet ist. Man folgt dieser ein kurzes Stück, verlässt sie aber gleich wieder nach rechts, immer der Beschilderung Richtung Heimgarten / Rauheck (441 / 442) nach. Weitere 20 Minuten später treffen wir wieder auf eine Fahrstraße, die wir einfach queren, um auf der anderen Straßenseite die Treppen hinaufzuschnaufen. Es geht nämlich wieder steil hinauf, dann endlich wird der Weg zu einem flacheren Wurzelpfad. Rechter Hand sieht man schon die Fahrstraße, auf die wir dann kurze Zeit später auch stoßen. An der Kreuzung mit der Straße wenden wir uns scharf nach links, hier ist der Rötelstein auch schon ausgeschildert.
Sonnenuntergang am Rötelstein

Sonnenuntergang am Rötelstein

An der nächsten Abzweigung halten wir uns wieder links und folgen dem Wegweiser Richtung Heimgarten und Rötelstein. Der Pfad wird nun zu einem Wiesenweg, der an den feuchtesten Stellen mit Bohlen gesichert ist. Auf ihnen wandern wir durch eine Landschaft, die mit ihren Krüppelkiefern und Wollgraswiesen eher an Skandinavien als an die bayerischen Voralpen erinnert. Auf einem letzten langen Bohlenstück durch eine Feuchtwiese gelangen wir schließlich wieder auf eine Fahrstraße, auf deren anderen Seite eine Bergwachthütte zu sehen ist. Der Wegweiser zum Rötelstein zeigt nach links – den Berg hinab. So rund 70 unserer mühsam gewonnenen Höhenmeter wieder verlierend gelangen wir schließlich an einen großen Wendeplatz und ein Wegkreuz, hinter dem nach rechts der ausgeschilderte Gipfelanstieg zum Rötelstein beginnt. Wir folgen der steilen Fahrstraße, halten uns rechts, um dann bei einem grünen Wegweiser Richtung Rötelstein nach links in einen kleinen Pfad einzubiegen. Nun wird’s mühsam: Erst gehen wir steil durch den Wald bergauf bis zum Gipfelaufbau. Die letzten 10 bis 15 Minuten sind felsig und teilweise ausgesetzt, so dass Schwindelfreiheit und Trittsicherheit nicht verkehrt sind. Oben angekommen belohnt mich ein Sonnenuntergang über dem Staffelsee und der weite Blick vom Loisachtal auf der einen bis hin zu Heimgarten und Herzogstand auf der anderen Seite für die Schinderei. Ich schlage mein Nachtlager auf wie im Biwaksacktest ja schon ausführlich besprochen und verbringe eine mehr oder weniger angenehme Nacht.
Morgennebel über dem Murnauer Moos

Morgennebel über dem Murnauer Moos

Nach dem Frühstück und einigen obligatorischen Fotos geht es am kommenden Morgen wieder hinunter. Der Abstieg bis zur Fahrstraße ist mit dem Aufstieg identisch. Dort wendet man sich nun aber nach rechts und folgt den Wegweisern Richtung Schlehdorf, Großweil und Ohlstadt. An der nächsten Kreuzung gehen wir nach links, dem Wegweiser Richtung Ohlstadt folgend. An der nächsten Gabelung muss man aufpassen. Hier treffen zwei Fahrstaßen aufeinander und wir müssen scharf links, fast schon in Gegenrichtung, abbiegen, um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Wer die Augen offen hält, und dem Wegweiser Richtung Ohlstadt folgt, sollte das aber hinbekommen ;-). Nachdem wir auf der breiten Fahrstraße den kleinen Bach überquert haben, folgt ein leichter Gegenanstieg. Bald neigt sich der Weg wieder und wir gehen durch ein Holzeinschlagsgebiet. Leider sind solche Baumfällaktionen mitten in der Brutzeit völlig legal – unserem laschen Waldgesetz sei Dank. Dabei brüten in diesen Wäldern stark gefährdete Arten wie der Dreizehen- und der Weißrückenspecht. Aber das ist den bayerischen Staatsforsten natürlich egal, seit der Waldreform wird der Forst in Bayern ohnehin nur noch an seinem ökonomischen Wert gemessen. So wandere ich eine Weile leise über die Dummheit der Bayerischen Staatsforsten und der Menschheit allgemein vor mich hin schimpfend weiter. Der restliche Weg verbessert meine Laune auch nicht gerade – eine öde Hatscherei auf staubiger Fahrstraße bis hinunter zum Parkplatz. Einzig die vielen Orchideen am Wegrand entschädigen ein wenig für die Plackerei. Vom Parkplatz aus folgen wir wieder der Kaltwasserlaine bis zu unserem Ausgangspunkt, dem Bahnhof Ohlstadt.   Zusammenfassung: Rundweg Ohlstadt Bahnhof – Rötelstein – Ohlstadt Bahnhof Anreise: stündliche Bahnverbindungen ab München (siehe www.bahn.de) Fahrtdauer: ca. 1 Stunde Ausgangspunkt: Bahnhof Ohlstadt Streckenlänge: ca. 13 km Höhenmeter: 756 Dauer: ca. 5 h Konditionsanspruch: mittel Schwierigkeit: sehr leicht, bis auf Gipfelanstieg, hier Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich Karte: DAV-Karte BY 9 Estergebirge, Herzogstand, Wank

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