Nordalpenweg und Zentralalpenweg: Weitwandern in Etappen

Sebastian Beiglböck ist in den vergangenen Jahren fast den gesamten Nordalpenweg gewandert. Dabei stand er unter anderem auch auf dem Hochkönig, der rund 2.941 Meter hoch ist. Foto: Klaus Makotter

Sebastian Beiglböck ist in den vergangenen Jahren mehr als 1.200 Kilometer auf dem Nordalpenweg gewandert. Dabei stand
er unter anderem auch auf dem Hochkönig, der mit 2.941 Meter Höhe über dem Umland thront. Foto: Klaus Makotter

Viele Wanderer träumen von langen Touren, glauben aber, dass sie das zeitlich nie einrichten können. Was ihnen bleibt, sind Tagestouren. Anders Sebastian Beiglböck. Er ist schon einmal quer durch Österreich auf dem Nordalpenweg gewandert. Läuft man diesen 1.200 Kilometer langen Weg zu Fuß, dann ist die Alpenrepublik plötzlich gar nicht mehr so klein. Weil aber auch Sebastian nur ein begrenztes Zeitkontingent hat, unterteilt er eine komplette Weitwanderung in bis zu zehn Tage lange Etappen. Ein Projekt dauert dann halt ein paar Jahre. Nun steht die nächste Unternehmung an: Morgen will der leidenschaftliche Weitwanderer aus Wien auf dem teilweise hochalpinen Zentralalpenweg starten, der ihn wieder auf mehr als eintausend Kilometern quer durch Österreich führen wird. Wir haben mit dem 38jährigen vorher noch über seine Erfahrungen aus mehreren Jahren Weitwandern gesprochen. Wanderschreiber: Du machst seit ein paar Jahren ausgedehnte Wanderungen. Welche Weitwanderwege bist du schon gegangen?
Sebastian Beiglböck am Praterstern auf der Raxalpe

Sebastian Beiglböck am Praterstern auf der Raxalpe. Foto: Beiglböck

Sebastian Beiglböck: Ich bin bereits als Kind und Jugendlicher gerne wandern gegangen. Während meiner Studienzeit hat das aber völlig aufgehört. Damals waren andere Dinge einfach interessanter. Nach dem Einstieg ins Berufsleben habe ich einen Ausgleich gesucht und ich bin wieder auf die Berge gekommen. Ich bin dann auf dem österreichischen Weitwanderweg 01 gestartet – dem Nordalpenweg. Er führt durch alle legendären Gebirgsgruppen der nördlichen Kalkalpen: zum Beispiel Dachstein, Berchtesgadener Alpen und Wetterstein. Insgesamt habe ich dafür etwa 50 Tagesetappen benötigt. Das letzte Stück durch Vorarlberg fehlt mir allerdings noch. Heuer im August oder September möchte ich dann endlich in den Bodensee springen. Was ist für dich das Schönste am Weitwandern? Würden dir Tagestouren, wie sie die meisten machen, denn nicht reichen? Ich denke, da spielen mehrere Dinge mit. Erstens gefällt es mir, so etwas wie ein Fernziel zu haben, auf das man einige Zeit hinarbeitet. Außerdem: Sein Heimatland in der vollen Länge zu Fuß durchquert zu haben, ist sogar im kleinen Österreich eine ganz anständige Leistung. Dann ändert sich mit zunehmender Länge auch die Effizienz des Wanderns. Man geht besser und konsequenter. Man spart sich ja auch die An- und Abreise, hat also mehr Zeit loszulassen. Außerdem finde ich, dass man die Natur intensiver wahrnimmt. Das ist so ähnlich wie mit der alten Leier, dass man erst ab der zweiten Woche Urlaub wirklich vom Job abschaltet. Du teilst ja größere Strecken in kleinere Etappen auf. Wie viele Tage bist du meist so am Stück unterwegs? Üblicherweise zwischen sechs und zehn Tagen. Mehr ist aus familiären Gründen nicht drin. Ich bin sehr dankbar, dass mir Beruf und Familie überhaupt die circa zwei Wochen Weitwandern im Jahr ermöglichen. Ich hoffe aber auch, mal mehrere Wochen am Stück gehen zu können, wenn meine Tochter weniger betreuungsintensiv ist. Allerdings dauert das noch ein paar Jahre. Sie ist erst vier.
Auf dem Thomas-Haas-Weg in den Lechtaler Alpen auf etwa 2.400 Meter Höhe. Foto: Klaus Makotter

Schräglage auf dem Thomas-Haas-Weg in den Lechtaler Alpen auf etwa 2.400 Meter Höhe. Foto: Klaus Makotter

Wie anspruchsvoll sind dabei die einzelnen Tagesetappen, was ist noch gut machbar, was zu viel? Nach ein paar Tagen kommt es auf den einen oder anderen Kilometer nicht mehr an. Acht bis zwölf Stunden Wanderzeit sind da schon drin, wenn auch nicht jeden Tag. Das sind dann etwa 20 Kilometer alpin oder 40 Kilometer im Flachland. Ich gehe lieber ein bisschen länger, als mich auf einer Hütte am Nachmittag zu langweilen. Von der Länge her gibt es in den Ostalpen wohl keine Übergänge zwischen Stützpunkten mehr, die von einem halbwegs konditionell Trainiertem nicht als Tagesetappe zu schaffen wären. Grundsätzlich werden meine durchschnittlichen Tagesetappen aber von Jahr zu Jahr länger. Das liegt auch daran, dass ich meine Ausrüstung immer wieder erleichtert habe. Allerdings werden die technischen Anforderungen in der nächsten Zeit zunehmen, so dass ich jetzt Gletscher- und Kletterausbildungen absolviere. Wo übernachtest du, wenn du auf Tour bist? In Hütten, Gasthöfen oder im Zelt beziehungsweise biwakierst du? Ich übernachte fast immer auf Hütten. Camping- oder eine Biwakausrüstung mitzunehmen, würde das Rucksackgewicht zu sehr erhöhen. Das macht auf alpinen Weitwandertouren nur wenig Spaß und trägt auch nicht zu meiner Devise „Sicherheit durch Schnelligkeit“ bei. Ich kenne aber auch genug Leute, die Biwakieren vorziehen, und das ist auch wunderbar so. Was nimmst du an Ausrüstung mit? Was ist absolut unverzichtbar geworden und wie schwer ist dein gepackter Rucksack? In der Praxis frage ich mich eher jedes Mal, was ich nicht mitnehme! Grundsätzlich lasse ich erst mal alles zu Hause, was ich nicht aus Sicherheitsgründen mitnehmen muss. Da ich ja meist auf Hütten übernachte, brauche ich nicht viel. Die übliche Bergbekleidung, eine warme Reserve für alle Fälle, eine Garnitur Wechselwäsche und den nötigen Krimskrams wie Zahnbürste, Karten, Stirnlampe, Hüttenschlafsack etc. Meine Favoriten sind in letzter Zeit übrigens Kleidungsstücke aus Powerstretch: Jacke, Mütze und Handschuhe. Das ist super bequem, windresistent, warm und leicht. Inklusive einer Tagesration Wasser komme ich auf insgesamt acht bis zehn Kilogramm Gewicht. Bei vergletscherten Etappen, die sich in Zukunft mehren werden, kommen noch weitere zwei Kilo „Schlosserei“ dazu.
Wohlverdiente Rast auf der Prostalm in den Kitzbühler Alpen bei St. Johann in Tirol.

Wohlverdiente Rast auf der Prostalm in den Kitzbühler Alpen
bei St. Johann in Tirol. Foto: Beiglböck

Was hat sich als überflüssig erwiesen? Zum Essen nehme ich nur mehr eine Notration wie Müsliriegel mit. Ich habe schon so viele Brotzeiten von Bergen wieder runtergetragen, das mache ich nicht mehr. Da lasse ich mich lieber auf der Alm oder Hütte bekochen. Das ist natürlich auch eine Geldfrage, aber einen Großteil der Zeit, in der ich nicht wandere, verdiene ich ja Geld. Am Anfang neigt man schnell dazu, viel zu viel Reservekleidung mitzunehmen, wo man doch schon so viele Euros im Bergsportfachhandel gelassen hat … Bist du meist allein unterwegs oder lieber in Begleitung? Beides. Im hochalpinen Gelände und auf Gletschern sowieso sind einer oder mehrere Bergkameraden aus Sicherheitsgründen natürlich essentiell. Einfachere und unspektakuläre Wegstücke unter 2000 Höhenmeter, sogenannte Hatscher, wie man bei uns sagt, gehe ich aber meistens alleine. Einerseits sind meine Bergkumpel dafür zu gipfelfixiert, andererseits hat das alleine Gehen auch ganz eigene Qualitäten, was das Abschalten betrifft. Dein nächstes großes Projekt ist ja der Zentralalpenweg, der dich nochmal quer durch Österreich führt. Wann und wo geht's los? Eigentlich hätte es schon Anfang April im ostösterreichischen Flachland losgehen sollen, aber leider hat mir ein lästiger Infekt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun will ich morgen starten! Heuer möchte ich auf jeden Fall noch bis ins obersteirische Knittelfeld kommen, das sind rund 10 Tagesetappen. Nächstes Jahr geht’s dann in den Niederen Tauern mit den richtigen Bergen los. Allerdings muss ich 2013 ja noch das Nordalpenwegfinale hinter mich bringen: durch die Lechquellen- und das Bregenzerwaldgebirge. Wie lange wird dich der Zentralalpenweg voraussichtlich auf Trab halten? Wie beim Nordalpenweg rechne ich wieder mit fünf bis sechs Jahren. Mich würde selber interessieren, wie viele Leute so etwas trotz Beruf und Familie in einem durch gehen können? Einer hat sich jedenfalls schon auf meinem Blog gemeldet. Deswegen mein Rat an alle am Weitwandern interessierten: Solang ihr es irgendwie terminlich einrichten könnt, zieht es durch! Es lohnt sich! Zum Weiterlesen: Blog von Sebastian Beiglböck: zentralalpenweg.blogspot.com. Fotos seiner Touren hat Sebastian zusammen mit seinem Kumpel Klaus Makotter bei Picasa veröffentlicht.

3 comments to Nordalpenweg und Zentralalpenweg: Weitwandern in Etappen

  • Liebe Webseiten-Gestalter, lieber Weitwanderer!
    Beim Titel des Beitrages freute ich mich auf den ZENTRALALPENWEG 02, leider wird der nur angekündigt. Bin schon gespannt, was der Autor vom WW 02 hält.
    Übrigens gibt es 2013/14 eine Alpen-Challenge am WW 02. Näheres auf http://www.oefs.at. Das wäre zusätzliche Motivation für Herrn Beiglböck…

  • Hallo Herr Peterka, vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Wir werden das Thema Zentralalpenweg in einem späteren Beitrag gerne wieder aufgreifen und über die Fortschritte und Erfahrungen berichten, die Herr Beiglböck bis dahin gemacht hat.

  • Sebastian Beiglböck

    Lieber Herr Peterka,

    freut mich sehr, dass Sie auf meine Aktivitäten aufmerksam wurden. Wie es in der Praxis auf dem 02er läuft, können Sie in meinem Blog lesen: zentralalpenweg.blogspot.com. Ihr Führer ist jedenfalls wesentliche Grundlage.

    Danke auch für die ÖFS-Info, an Motivation fehlt es jedenfalls nicht!

    bg

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