OutDoor 2012 – verhalten enthusiastisch

Die Outdoor 2012 konnte trotz Konjunkturdelle neue Aussteller- und Besucherrekorde verzeichnen.

Die Outdoor 2012 konnte trotz Konjunkturdelle neue Aussteller- und Besucherrekorde verzeichnen.

Die Stimmung in der Outdoor-Branche ist nicht mehr ganz so euphorisch wie noch vor Jahresfrist (hier unser  Bericht zur OutDoor 2011). Ein verregneter Sommer und Schnee zur Unzeit im Winter verhagelte Herstellern und Händlern im vergangenen Jahr das Geschäft. Und so waren die Umsatzzahlen nach Angaben der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) im Outdoor-Segment 2011 zum ersten Mal seit langem rückläufig.

Dennoch waren die Hallen der Fachmesse OutDoor 2012, die vom 12. bis 15. Juli in Friedrichshafen stattfand, gut gefüllt. Mit 907 Ausstellern und 21.730 Besuchern konnte die Messe Friedrichshafen sogar in beiden Bereichen einen kleinen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.

Zu den Ausstellern, die zum ersten Mal auf der Messe vertreten waren, gehörte beispielsweise Big Agnes. Der amerikanische Hersteller, der leider immer noch keinen Vertrieb in Deutschland hat, ist mit seinen leichten und ultraleichten Zelten schon lange eine bekannte Größe in seinem Heimatmarkt und bietet auch bei Schlafsäcken clevere Lösungen. Immer auf der Suche nach Einsparpotenzial kamen die Entwickler von Big Agnes schon vor Jahren auf die Idee, Schlafsack und Isomatte zu einer Einheit zu kombinieren. Die Daune wird im Liegebereich ohnehin zusammengedrückt und funktionslos – da kann man sie auch gleich weglassen, so das Prinzip.

Big-Agnes-Schlafsack mit "Downtek"

Big-Agnes-Schlafsack mit “Downtek”

Für eine ähnliche Konstruktion hat Cascade Design / Thermarest in diesem Jahr einen Industry Award bekommen. Big Agnes ficht das nicht an – man hat in Steamboat Springs schon wieder neue Pläne – und stellt zum ersten Mal „vollwertige“ Schlafsäcke her, die auch im Rückenbereich eine Daunenfüllung aufweisen und die nicht zwingend mit einer Matte kombiniert werden müssen. Für diese neuen Modelle verwendet der Hersteller eine nanobeschichtete Daune namens „Downtek“. Sie soll auch in feuchten Umgebungen ihre Bauschkraft behalten.

Über Schlafsäcke und Seitenschläfer hat sich Fjällräven Gedanken gemacht und zwei neue Modelle entwickelt. Der „Move In Bag“ ist weiter geschnitten und hat mehr Daune auf der Vorderseite. Er ist für Leute gedacht, die sich im Schlafsack drehen. Der engere „Move With Bag“ dreht sich dagegen mit dem Schläfer mit, die Daune ist gleichmäßig verteilt. Weiter und enger geschnittene Schlafsäcke sind zwar schon lange auf dem Markt, aber eine solche konsequente, klare Einteilung und Ausrichtung auf diese beiden Nutzertypen gab es bisher nicht.

Das Telemark 2 von Nordisk wiegt keine 900 Gramm. Foto: Nordisk

Das Telemark 2 von Nordisk wiegt keine 900 Gramm. Foto: Nordisk

Bei den Zelten war in diesem Jahr nicht so viel Neues zu entdecken. Nordisk ist nun auch in den „Sub-Kilo“-Bereich vorgedrungen und bietet mit dem „Telemark 2“ ein Zwei-Personenzelt, das unter 900 Gramm wiegt.

Cuben in der Apsis verbaut Crux/Lightwave beim X1 Assault ...

X1 Assault mit Cuben-Apsis

Interessante Experimente mit dem Ultraleichtstoff „Cuben“ unternimmt Crux / Lightwave. So gibt es beispielsweise das Single-Wall-Zelt „X1“ unter anderem mit einer Apsis aus diesem extrem leichten Material, das nur 18g/m2 auf die Waage bringt. Das Modell heißt „X1 Assault“ und ist trotz der Cuben-Apsis mit fast 2 Kilo nicht wirklich ein Leichtgewicht. Auch beim „t25 arctic“ verbaut der Hersteller Cuben. Der rund 3,5 kg schwere Tunnel soll trotzdem denn härtesten Wetterbedingungen trotzen und ist laut Hersteller für Winter-Expeditionen, Arktisreisen und Bergsteiger-Basislager geeignet. Zeltkönig Hilleberg setzt dagegen weniger auf neue Modelle als auf Ordnung in der Produktpalette. Der Hersteller hat ein Farbsystem eingeführt, das auf einen Blick erkennen lassen soll, für welchen Einsatzzweck ein Zelt geeignet ist. Etwas Neues gab es dann doch: Das 3-Jahreszeitenzelt Anjan wird im kommenden Jahr auch in einer GT-Version mit verlängerter Apsis erhältlich sein.

Augen zu am Berg

Haglöfs ...

Farbe ist eigentlich schön, man kann es damit aber auch übertreiben.

Bei der Kleidung geht es weiter so quietschbunt zu, dass ich beinahe Augenkrebs bekam. Die Kollektionen von Marmot oder Haglöfs etwa erinnern mich an die schlimmsten Farbverirrungen in den 1970er Jahren. Wahrscheinlich will man so dem demographischen Wandel – ein Hauptthema der Messe – Rechnung tragen und die Silver Hiker dort abholen, wo sie vor 40 Jahren stilistisch stehen geblieben sind. Ich hätte auf jeden Fall viel Geld sparen können, wenn ich die ganzen lila-mintgrün-zintronengelb gemusterten Klamotten von damals aufgehoben hätte, statt sie in blickdichten Säcken zu entsorgen.

Mit unter 150 Gramm ist das Minimus Smock von Montane der Gewichtskönig unter den wasserdichten Schlupfjacken.

Minimus Smock von Montane

Nicht von 1970 sind allerdings die Materialien, die zum Einsatz kommen. Extrem leicht, hoch komprimierbar und trotzdem robust lautet das Entwicklungsziel. Ultraleicht-Pionier Montane beispielsweise bietet mit dem “Minimus Smock” aus Pertex Shield + eine nur knapp 150 Gramm leichte wasserdichte Schlupfjacke an. Mit 233 Gramm etwas schwerer ist der Blazar Pullover von Mountain Hardware, der dank Dry Q.Elite ebenfalls guten Wetterschutz und Atmungsaktivität vereinen soll. Den Gewichtsrekord im Bekleidungsbereich hält aber derzeit wohl die japanische Firma Montbell. Sie stellte in Friedrichshafen eine nur 45 Gramm schwere Jacke vor, die verpackt nicht größer als ein Schokoriegel ist. Gesehen habe ich das Ding allerdings nicht – wie auch bei den winzigen Packmaßen?

Die ReVolt von Black Diamond lässt sich nur dann per USB-Anschluss laden ...

Kopflampe ReVolt

Bei Black Diamond stand  die Fortentwicklung und Erweiterung in den verschiedenen Produktbereichen im Vordergrund. Unter anderem hat der Hersteller die Tragesysteme seiner Rucksäcke und die Flip-Lock-Verschlüsse der Trekkingstöcke überarbeitet sowie die Stöcke der Z-Pole-Reihe um weitere Modelle erweitert. Die neuen Ausführungen der „Ultra-Mountain“-Serie sind zum Teil aus Alu und damit schwerer aber auch stabiler als das ultraleichte Carbon-Modell „Ultra Distance“, das eigentlich für Trailrunning und Speed Hiking gedacht ist (siehe auch unseren Testbericht). Manche Anwender hätten die Stöcke aber zweckentfremdet und zu stark belastet, so Marketing-Koordinatorin Susanne Pfrengle, was für Materialbrüche und eine gewissen Unzufriedenheit gesorgt hätte. Ebenfalls neu ist die Kopflampe „ReVolt“, die sich per USB-Anschluss aufladen lässt. Das funktioniert allerdings nur mit den herstellereigenen mitgelieferten Akkus. Man habe sich auch Sicherheitsgründen für diese Lösung entschieden, so Pfrengle, um zu verhindern, dass Anwender irrtümlich normale Batterien zu laden versuchen, was zum Auslaufen oder sogar zur Explosion der Batterien führen könnte.

Angst vor Amazon und eBay

Im Umfeld der OutDoor wurde ein Problem heftig diskutiert, das mir aus den vielen Jahren als Redakteur eines IT-Fachhandelsmagazins nur allzu bekannt vorkommt: Online-Händler auf eBay und Amazon verramschen Markenware weit unter UVP und machen so die Preise kaputt. Die Hersteller reagieren mit denselben Reflexen, die ich auch aus der IT-Branche kenne. So wollen beispielsweise Adidas und Asic nach Angaben des Branchenblattes SAZsport nur noch Händler beliefern, die ihren E-Commerce-Richtlinien zustimmen und den Verkauf auf bestimmten Plattformen einstellen. Dazu kann ich ebenfalls aus langer Erfahrung sagen: Vergesst es einfach. Das hat in der IT nicht funktioniert und wir auch im Outdoor-Bereich nicht klappen. Zum einen sorgt ein europaweiter Graumarkt dafür, dass Ware zu Billigpreisen in deutsche Kanäle fließt, die eigentlich für das europäische Ausland bestimmt war. Zum anderen vergessen Hersteller ihre Vorsätze ganz schnell wieder, wenn es darum geht, größere Mengen Restposten und Auslaufware in den Markt zu drücken. „Schweinedeals“ mit Amazon und anderen Online-Händlern sind deshalb zumindest in der IT an der Tagesordnung. Schließlich ist die Preisfindung im Online-Handel oft eine völlig andere als im stationären Einzelhandel. Kick-Back-Provisionen beim Erreichen bestimmter Umsatzvolumina sorgen beispielsweise dafür, dass der Online-Handel zum Teil sogar negative Margen in Kauf nimmt – sprich: unter Einkaufspreis verkauft, um auf diese Volumina zu kommen und so seinen Schnitt zu machen.

Hier noch einige Neuheiten der OutDoor 2012 im Überblick:

5 comments to OutDoor 2012 – verhalten enthusiastisch

Hinterlasse eine Antwort

  

  

  

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>