Besser zelten mit Footprint

Praktisch: Mit dem Footprint bekommt auch die Apsis einen Boden

Praktisch: Mit dem Footprint bekommt auch die Apsis einen Boden

Ein Footprint ist eine genau auf den jeweiligen Zelttyp zugeschnittene Zeltunterlage. So etwas hielt ich bisher für überflüssigen Ballast – schließlich hat mein Zelt ja schon einen wasserdichten Boden, wozu also noch eine weitere Plane mit sich rumschleppen, die Platz braucht und zusätzliches Gewicht bedeutet?

Bei meinen Reisevorbereitungen für Island las ich aber dann des Öfteren von nadelspitzen Lavasteinen, die überall herumliegen und einen Zeltboden (inklusive aufblasbarer Isomatte) in Null-Komma-Nix aufschlitzen sollen. Ein Footprint – so die Reiseführer mehr oder weniger unisono – sei deshalb ein essentieller Bestandteil jeder Island-Zeltausrüstung.

Alternativ könne man sich natürlich auch eine robuste Plane im Baumarkt besorgen und auf die Bodenmaße des eigenen Zeltes zuschneiden, so die Sparfüchse unter den Experten. Diese Idee verwarf ich dann doch recht schnell wieder, denn für MYOG (Make your own gear) bin ich mit meinen zwei linken Händen nicht geeignet. Außerdem wiegt so eine Plane doch erheblich mehr als die herstellereigenen Footprints und verfügt auch nicht über Befestigungsschlaufen, mit denen man das Footprint an das Zelt koppeln kann. Da müsste man selbst zu Nadel und Faden greifen, was aus bereits genannten Gründen für mich nicht in Frage kam.

Also habe ich zu meinem Zelt, dem Vela I Extreme von Exped, auch noch das passende Footprint mitgenommen, das mir freundlicherweise von den Bergfreunden für einen Test überlassen wurde.

Hier die Erfahrungen aus drei Wochen Island-Urlaub:

Aufbau

Hilft auch gegen Schafsköttel: ein Footprint

Hilft auch gegen Schafsköttel: ein Footprint

Ok, eine Plane aufzubauen, ist erst mal sogar für handwerkliche Legastheniker wie mich kein Problem – sollte man denken. Schon beim ersten „Aufbau“ habe ich das Footprint aber verkehrt herum ausgelegt, wie der Experte wahrscheinlich auf dem Foto links sehen kann. Hier wäre ein kleiner Hinweis „Hier ist oben“ für Doofe ganz hilfreich. Immerhin gibt es einen Aufnäher, der die Seite identifiziert, wo der Zelteingang ist. Den sieht man aber auch nur, wenn man das Footprint richtig herum hinlegt.

Nach dieser Blamage, der zweite Knackpunkt: In Island geht immer ein Wind und meist ein heftiger. Das Footprint hinlegen und dann gemütlich das Zelt darauf aufbauen, das kann man ganz schnell wieder vergessen, will man nicht verzweifelt hinter einer davonfliegenden Plane herlaufen müssen. Zum Glück ist das Footprint mit genügend Abspannpunkten ausgestattet, so dass ich es mit bis zu sechs Heringen am Boden festtackern konnte. Das treibt den Heringsverbrauch natürlich massiv in die Höhe – und das, wo die Meere sowieso schon überfischt sind. Aber Spaß beiseite: Zum Glück kann man die Heringe wieder ziehen, wenn erst mal das Zelt steht, denn das Footprint lässt sich dann über Gummibänder direkt am Zelt befestigen.

Mit Gummibändern lässt sich das Footprint am Zelt befestigen.

Mit Gummibändern lässt sich das Footprint am Zelt befestigen.

Beim Zeltaufbau bietet das Footprint eine gute Orientierung. Man kann anhand der Form leicht erkennen, wo die Zeltecken hingehören und wie die Zeltstange auszurichten ist. Das ist ein Riesenvorteil, denn bisher hatte ich immer große Schwierigkeiten, das Vela sauber aufzustellen. Meist war es krumm und schief, das Innenzelt hing durch und das Außenzelt flatterte lustig im Wind.

Mit der Orientierung vom Footprint und dieser Aufbauanleitung aus dem Rad-Forum funktioniert der Zeltaufbau wesentlich besser, auch wenn es mir nach wie vor nicht gelingt, das Außenzelt wirklich straff abzuspannen. Um das Vela sauber aufzustellen, sind die Abspannleinen von großer Bedeutung, die sich jeweils am Kopfende des Außenzeltes sowie an beiden Enden des Innenzeltes befinden. Nach jedem Abbau verlängere ich diese Leinen maximal, damit ich beim nächsten Aufbau genügend Spiel habe. Beim Aufbauen spanne ich dann das Zelt zunächst nur locker mit zwei Heringen ab, wobei ich mich am Footprint orientiere, und ziehe dann so lange an den besagten Abspannleinen, bis alles passt. Da alles irgendwie mit allem zusammenhängt, muss man meist mehrmals nachjustieren, bis das Innenzelt nicht mehr durchhängt und das Außenzelt zumindest so straff ist, dass bei Regen das Wasser nicht drauf stehen bleiben kann.

Vorteile des Footprint

Im Rucksack nimmt das Footprint wenig Platz weg.

Im Rucksack nimmt das Footprint wenig Platz weg.

Eines vorweg: Alle Zeltplätze, auf denen ich in Island übernachtet habe, waren weitgehend Stein-, wenn auch nicht immer Schafsköttelfrei. So gesehen wäre mein Zelt wahrscheinlich auch ohne Footprint heil geblieben. Dennoch habe ich den Komfort dieses Ausrüstungsstückes schnell zu schätzen gelernt. Erstens hat man mit dem Footprint auch unter der Apsis einen Boden und schleppt damit nicht mehr so viel Dreck, Grashalme und die besagten Schafsköttel ins Zelt. Zweitens bleibt der Zeltboden so auch von außen immer sauber und trocken – und damit das gesamte Zelt viel sauberer. Beim Zusammenrollen lässt es sich nämlich kaum vermeiden, dass der Boden mit Außen- und Innenzelt in Berührung kommt. Ist dieser nass und/oder schmutzig, hat man den Dreck und die Feuchtigkeit schnell über das Zelt verteilt. Dass das Footprint eine echte Hilfe beim Aufbau ist, hatte ich ja schon erwähnt. Der Preis dafür: rund 50 Euro, 250 Gramm Mehrgewicht zu schleppen und rund einen halben Liter Volumen, den man im Rucksack für das Footprint reservieren muss. Dafür kann man in mückenfreien Zonen das Innenzelt zu Hause lassen und bekommt mit der Kombination aus Footprint und Außenzelt einen ultraleichten Wetterschutz.

Hinterlasse eine Antwort

  

  

  

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>