Outdoor Research Seattle Sombrero – Gut behütet, auch wenn’s schüttet

Der Doktor (re.) mit Sun Bucket und dem lieben Vieh (li.) Foto: C. Capello

Der Doktor (re.) mit Sun Bucket und dem lieben Vieh (li.) Foto: C. Capello

Jeden Urlaub dasselbe Theater: Egal ob ich sie im Halbstundentakt mit Lichtschutzfaktor 30, 40 oder 100 einschmierte - spätestens am dritten Tag waren meine Ohren – die zugegebenermaßen ziemlich weit vom Kopf abstehen – verbrannt. Es bildeten sich juckende Blasen und die ohnehin schon großen Ohrwatscheln fühlten sich nochmal so groß an. Eines Tages hatte ich die Nase oder besser gesagt: die Ohren voll. Es war im netten kanadischen Städtchen Nelson, das ich übrigens sehr empfehlen kann, wenn man mal von den fiesen kanadischen Riesenzecken absieht, die es in der Gegend in Massen gibt. In Nelson also musste ein Hut her. Im gut sortierten Outdoor-Laden gab es reichlich Auswahl. Die Kanadier sind ja bekanntlich ein outdoororientiertes Volk und die Kootenays, in denen Nelson liegt, bieten dafür auch jede Menge Möglichkeiten. Meine Wahl fiel auf den „Sun Bucket“ von Outdoor Research, den ich seitdem trage, sobald die Sonne auch nur zu ahnen ist. Nun gehören die Blumenkohlohren der Vergangenheit an. Ok, der Hut ist nicht gerade schick, ich ähnle damit ein wenig James Herriot aus „Der Doktor und das liebe Vieh“ (für alle Spätgeborenen unter den Lesern: das war eine Kultserie in den 1970/80ern) - aber was soll's.
Krempenhalter für wenn's mal nicht regnet

Krempenhalter für wenn's mal nicht regnet

Wie gesagt, der OR-Hut und ich sind unzertrennlich, so lange die Sonne scheint. Auch bei Nieselregen kann er oben bleiben, ich habe ihn mit Imprägnierspray eingesprüht, was zumindest leichte Schauer ganz gut abhält. Spätestens, wenn es aber zu schütten anfängt, muss der Gute in die Tasche und die Kapuze der Regenjacke kommt auf den Kopf - mit einem neuen Problem: Bei den meisten Kapuzen ist das Schild nicht groß genug, um zu verhindern, dass Regen auf die Brille fällt. Und so laufe ich dann meist nach kurzer Zeit halb blind durch die Gegend. Gut, früher wäre man als Kurzsichtiger im Regen halt irgendwo runtergefallen und das Problem hätte sich auf biologische Weise gelöst. Heutzutage heißt die Lösung: Ein Regenhut muss her! Zum Beispiel der Seattle Sombrero von meiner bereits bekannten und beliebten Hutmacherfirma Outdoor Research, den mir die Bergfreunde für einen Test zur Verfügung gestellt haben. Mit seiner breiten, recht steifen Krempe hält er zuverlässig den Regen ab, ohne die Sicht zu beeinträchtigen, solange der Niederschlag nicht gerade waagrecht fällt. Sollte es sogar einmal aufhören zu schütten, kann man die Krempe hochklappen und mit den links und rechts am Hut angebrachten Klettverschlüssen fixieren. Sobald die Sonne herauskommt, muss zumindest ich die Krempe natürlich wieder herunterklappen, des Blumenkohlohrenproblems wegen. Bei längerem Sonnenschein dürfte es auch ziemlich warm unter dem weich gefütterten Seattle Sombrero werden. So richtig testen konnte ich das bisher noch nicht – das Wetter über Ostern war ja nicht gerade von Hitzeperioden geprägt.
Fast wie Wulff: Am Seattle Sombrero perlt alles ab.

Fast wie Wulff: Am Seattle Sombrero perlt alles ab.

Dafür hatte ich ausgiebig Gelegenheit, bei meinen Osterspaziergängen in Regen und Schnee das gute Abperlverhalten des Hutes zu würdigen. Das meiste Wasser läuft sofort am Hut runter, was allerdings auch seine Tücken hat: Wenn man nicht aufpasst und die – ja jetzt überflüssige – Kapuze der Regenjacke ungeschickt drapiert, schießt das Wasser zuverlässig vom Hut direkt in die Kapuze, zumal die Krempe hinten etwas länger geschnitten ist und das Wasser typischerweise seinen Weg über die hintere Hutkrempe nach unten nimmt. Also immer dran denken und die Kapuze ein wenig einrollen – oder es wird feucht.
Ob Eierkopf oder Quadratschädel: Der OR Seattle Sombrero lässt sich auf fast jeden Kopf individuell anpassen.

Ob Eierkopf oder Quadratschädel: Der OR Seattle Sombrero lässt sich auf fast jeden Kopf individuell anpassen.

Für ein angenehmes und trockenes Kopfklima unter dem Hut ist durch eine 3-lagige-Taslan-Gore-Tex-Membran gesorgt. Trotzdem ist der Hut naturgemäß nicht ganz so leicht und luftig wie mein Sonnenmodell. Der Unterschied ist allerdings nicht gravierend. Der Sun Bucket wiegt zirka 60 Gramm, der deutlich aufwändiger gearbeitete Sombrero trotz mehrlagiger Membran gerade einmal rund 90 Gramm. Was das Packvolumen angeht, nimmt der Sombrero ungefähr anderthalb mal so viel Platz ein wie der Bucket und lässt sich immer noch bequem in einer etwas größeren Jackentasche transportieren.
Ich finde mich total schick mit dem Seattle Sombrero. Aber das ist eine Einzelmeinung

Ich finde mich total schick mit dem Seattle Sombrero. Aber das ist eine Einzelmeinung

Der Sombrero ist in den Größen S, M, L und XL erhältlich. Für das Feintuning ist im Hutband ein Klettverschluss eingearbeitet, mit dem man die Hutgröße an die eigenen Kopfgegebenheiten anpassen kann. Dadurch sitzt der Hut sehr gut und rutscht nicht. Gegen das Wegfliegen bei waagrechten Regenbedingungen gibt es außerdem einen Kinnriemen, der sich leicht festzurren lässt. Kommen wir zum einzigen Wermutstropfen, der auf dem Hut nicht abperlt: Die Optik meines Modells (Yello/Dark) ist, sagen wir mal: gewöhnungsbedürftig. Mit der gelben Kappe und den grauen Krempen wirkt er ein wenig wie eine Mischung aus Cowboyhut und Südwester. Meine Freundin weigert sich auf jeden Fall, neben mir zu gehen, wenn ich den Hut aufhabe. Selber Schuld, dann fahre ich eben allein nach Island – und der Hut kommt auf jeden Fall mit.

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