OutDoor 2011 – Ultraleicht und quietschbunt

Die OutDoor 2011 fand vom 14. bis 17 Juli 2011 auf dem Messegelände Friedrichshafen statt.

Die OutDoor 2011 fand vom 14. bis 17. Juli 2011 auf dem Messegelände Friedrichshafen statt.

Mit 890 Ausstellern und über 21.000 Besuchern konnte die Messe „Outdoor“ im Vergleich zum Vorjahr noch einmal zulegen. Die Veranstaltung, die vom 14. bis 17.07.2011 in Friedrichshafen stattfand, bleibt damit für Mitteleuropa die wichtigste Ordermesse im Outdoorbereich. Am Samstag, dem 16.07.11, war es allerdings sehr ruhig auf dem Messegelände. Es war deutlicher weniger los als in den beiden Vorjahren, in denen ich auch jeweils samstags auf der Messe war. Vielleicht hatten die meisten Besucher ihre Einkäufe schon am Vortag erledigt, vielleicht trug aber auch der Mangel an echten „Knallern“ zu einem verhalteneren Interesse bei.
Das Terra Nova Voyager Ultra beitet Platz für zwei - bei einem Gewicht von 920 g!

Terra Nova Voyager Ultra

Lohnend war der Besuch aber allemal, denn vor allem im Bereich der ultraleichten Zelte wurden einige Neuheiten vorgestellt. So legte Terra Nova nach dem knapp 600 Gramm schweren „Laser Ultra“ vom vergangenen Jahr mit dem „Voyager Ultra“ (Foto) noch eines drauf. Das Zwei-Personen-Zelt wiegt 920 Gramm und ist damit nur halb so schwer wie die Standardvariante und rund ein Drittel leichter als die Superlite-Version. Bei den beiden Ultra-Zelten sind Boden und Außenzelt aus Cuben, einem extrem leichten Laminat, das aus dem Segelsport kommt und eine ähnliche Reißfestigkeit wie silikonisiertes Nylon aufweist. Im Unterschied zum Laser Ultra sind die Nähte beim Voyager teilweise geklebt. Dort wo genäht wurde, sind die Nahstellen mit einem zusätzlichen Textilstreifen verstärkt. Martin Rye hat sich auf dem (englischsprachigen) Blog „Summit and Valley“ das Voyager Ultra genauer angesehen. In der Zeltstadt traf ich zufällig Dennis Eipel, der bei der Bergfreunde GmbH arbeitet und im vergangenen Jahr auf seinem Blog bereits ausführlich über das Laser Ultra berichtet hatte. Er erzählte mir, dass das Material zwar sehr gut als Außenzelt tauge, aber weniger gut geeignet für den Zeltboden sei, da die Abriebfestigkeit gering ist. Das kann man zwar durch ein Footprint wieder ausgleichen, aber dann ist der Gewichtsgewinn zumindest teilweise dahin. Auf jeden Fall muss man aber für die Ultraleichtgewichte tief in die Tasche greifen: Der Preis für das Laser Ultra liegt bei rund 850 Euro, das Voyager Ultra stellt mit 1.200 Pfund (knapp 1.400 Euro) sogar Hilleberg-Preise in den Schatten. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann das Laser in Deutschland zum Beispiel bei Bergzeit ordern. Update 09.10.2013: Mittlerweile ist das Terra Nova Laser Ultra bei Bergzeit nicht mehr erhältlich.
Die Superlight-Zelte von Helsport

Die Superlight-Zelte von Helsport

Auf den ultraleichten Zug sind auch Hilleberg, Helsport und Robens aufgesprungen. Sie nutzen allerdings herkömmliche Materialien wie silikonisiertes Ripstop-Nylon (bei Robens innen PU-beschichtet) sowie Alu-Gestänge, und machen einfach das Gewebe bzw. die Silikonschicht und/oder die Stangen dünner. Auch beim Komfort wird gespart, indem es beispielsweise nur einen statt zwei Eingänge gibt oder die Lüfteraufsteller reduziert werden. Herausgekommen sind bei Hilleberg die Zelte „Rogen“ sowie „Anjan 2“ und „3“, bei Helsport bekommen die Ultraleichtmodelle den Zusatz „Superlight“ und bei Robens „“Xtra Lite“. Neben den Xtra-Lite-Modellen „Atmos“, „Stratos“ und „Mythos Solo / Duo“ hatte der Hersteller mit dem „Mercury“ ein Zweipersonen-Zelt in klassischer Form dabei, das bei etwas mehr als zwei Kilo Gewicht einen großzügigen Innenraum (2,30 x 1,20 x 1,30 m LBH) bietet. Das Gewicht lässt sich noch reduzieren, wenn man die zentrale Aufstellstange zuhause lässt und stattdessen einen Wanderstock benutzt.
Die Downmat 7 UL von Exped isoliert bis -20° Celsius bei nur 560 g Gewicht.

Downmat 7 UL

Natürlich ist Abspecken nicht nur bei den Zelten angesagt. Exped, beispielsweise stellte nach der „SynMat 7 UL“ nun auch eine „Downmat 7 UL“ vor - und bekam prompt einen Industry Award dafür. Das Gewicht von 560 g bei einem R-Wert von 5,9 ist natürlich mit leichteren und damit auch weniger robusteren Materialien erkauft. In der Konsequenz gibt der Hersteller auch nur zwei Jahre Garantie auf das UL-Modell, während die Standardvariante fünf Jahre Garantie bekommt. Bei Ultralight-Spezialist Golite werden die Rucksäcke dagegen etwas schwerer - der „Jam“ bekommt Lastzugriemen und eine stabilere Rückenplatte spendiert und legt deshalb um einige Gramm zu. Außerdem betreibt der Hersteller Modellbereinigung. Die Namen „Pinnacle“ und „Peak“ verschwinden, stattdessen heißen alle Modelle nun Jam, nur unterschieden durch die Literzahl hinter dem Namen. Der „Quest wurde überarbeitet und soll nun dank eines integrierten Stangensystems eine bessere Lastübertragung bieten. Das größte Modell mit 80 l Volumen wiegt 1.700 g. Bei den Shangri-la-Zelten werden außerdem in Zukunft Außenzelt und „Nest“ zusammen verkauft.   Bunt, bunter, quietschbunt
Canada-Goose wird bunt.

Canada-Goose wird bunt.

Der Trend, Outdoor-Klamotten als modische Kleidung für den Stadtbummel zu vermarkten, setzte sich auch in diesem Jahr fort. Selbst Canada Goose - mit seinen Daunenjacken für Arktisforscher und Buschpiloten bisher eher im kernigen Segment zuhause, bringt mit quietschbunten Frauenjäckchen Schwung in die Kollektion. Nur bei den Preisen jenseits der 500-Euro-Marke dürften sich die Kanadier treu bleiben. Mehr Komfort gibt es in Zukunft bei Fjällräven. Die Schweden wollen ihr „Wachsstationen“-Netz auf Deutschland ausdehnen. An rund 20 Standpunkten kann der Kunde dann seine G-1000-Kleidung zur Nachbehandlung mit Grönland-Wachs abgeben. Mich freut das, weil ich die Wachserei ziemlich mühselig finde. Die Dame am Fjällräven-Stand erklärte mir aber, dass ich wohl etwas falsch mache. Man solle den Wachsblock wie eine Computer-Maus in die Hand nehmen und nur mit leichtem Druck über das Kleidungsstück führen. Das Einwachsen sei so ganz leicht und dauere keine 10 Minuten.   Grün ist in
... war der Stand von Umweltschutzpionier Patagonia.

Patagonia-Stand

Grün muss zwar als typische Outdoor-Farbe Pink, Lila, Aubergine und anderen Bonbonfarben weichen, die Outdoor-Unternehmen selbst werden aber immer „grüner“ - oder tun zumindest so. Die Erkenntnis, dass, wer die Natur als Sportgerät benutzt, sie vielleicht auch schützen sollte, setzt sich langsam durch. Vorreiter ist das Unternehmen Patagonia, das schon seit 1985 ein Prozent seiner Umsätze in Umweltprojekte investiert. Auch beim Thema Recycling ist Patagonia engagiert und nimmt schon seit langem alte Fleecejacken zurück. Sogar der Messestand des Herstellers war ganz aus Recyclingmaterialien und ökologisch korrekten Baustoffen. Patagonia ist auch Mitglied in der Europen Outdoor Conservation Association (EOCA), in der sich 68 Unternehmen zusammengeschlossen haben. Wie in den vergangenen Jahren spendierten die Mitglieder Produkte für einen „Fundraiser“. Die Besucher konnten diese auf der Outdoor recht günstig erwerben, das Geld kommt dann diversen Umweltschutzprojekten zugute. Erst in jüngster Zeit sind auch die Produktionsbedingungen ins Blickfeld der Hersteller und der Kunden geraten - nicht zuletzt durch den öffentlichen Druck, den Organisationen wie die Clean Clothes Campaign (CCC, in Deutschland durch die Kampagne für saubere Kleidung vertreten) aufbauen. Die meisten Anbieter produzieren ja schon längst in Fernost unter den sattsam bekannten menschenverachtenden Bedingungen. Eine CSR-Initiative (Corporate Social Initiative) der Outdoor-Unternehmen soll nun für faire und gesundheitlich unbedenkliche Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sorgen. Derzeit beteiligen sich zehn Unternehmen (Deuter, Haglöfs, Lowa, Maier Sports, Mammut, Marmot, Nordisk, The North Face, Tatonka und Vaude) an dem Projekt. Sie haben ihre Produktionsbedingungen durch die Non-Profit-Organisation Made-by überprüfen lassen.   Die Heuschrecken greifen an Leider könnten diese Bestrebungen bald schon wieder der Vergangenheit angehören, denn Outdoor-Anbieter sind zunehmend ins Visier der Investoren geraten. „Wir erleben eine deutliche Steigerung der Anfragen von Finanzinstituten und Private-Equity-Investoren“, sagte David Udberg, Präsident der European Outdoor Group (EOG), zum Start der Messe. Die "Heuschrecken", interessiert natürlich nur eines: Rendite - ganz egal, ob dabei Umweltschutz, Natur oder Menschen auf der Strecke bleiben. Einen Vorgeschmack darauf, was auf uns zukommt, zeigt des Beispiel Jack Wolfskin: Der Hersteller, wurde 2001 von der Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital für 42 Millionen Euro gekauft, der das Unternehmen 2005 für 93 Millionen Euro an Quadriga Capital und Barlays Private Equity weiterreichte. Jetzt steht der nächste Deal bevor: Blackstone könnte den Outdoor-Hersteller für 700 Millionen Euro übernehmen. Ganz klar, dass ein derart gehyptes Unternehmen mit aller Härte gegen Nachahmer vorgehen muss, die seine Markenidentität gefährden, auch wenn es sich dabei um handarbeitende Hausfrauen handelt, die eine Pfote auf ihre Strickwaren gestickt haben. Uns Kunden bleibt wohl nichts anderes übrig, als Kaufentscheidungen in Zukunft nicht nur von der Funktionalität und dem Preis-Leistungsverhältnis abhängig zu machen, sondern auch darauf zu achten, wie und wo etwas produziert wird und ob der Hersteller ein Einzelunterunternehmen mit langer Tradition ist oder bloß Teil einer Kapitalvermehrungsmaschine. Die OutDoor 2011 in Bildern:

3 comments to OutDoor 2011 – Ultraleicht und quietschbunt

  • Danke für die nette Erwähnung und deine Zusammenfassung von der OutDoor! Die Aktion von Jack mit den Hausfrauen endete für JW ja eher in einem PR-Desaster 😉 Ich war aber auch erstaunt, wie viele Marken dieses Jahr wieder übernommen wurden… Bleibt nur zu hoffen, dass sich nicht alle Übernahmen negativ auswirken…

  • Auch ich war dieses jahr auf der Messe dabei ( am 17.07) und es war echt spaßig dort.
    Die Bilder haben das Geschehen echt gut eingefangen.
    Ein wirklich toller Blog, ich schau bestimmt nochmal vorbei.
    Weiter so und liebe Grüße aus Passau.

  • Ich habe nun das erste Mal meine Fjällräven-Hose mit der „Computermaus-Methode“ eingewachst. Und siehe da: das funktioniert tatsächlich prima. Trotzdem hoffe ich, dass bald die Wachsstation in den Münchner Globi kommt – vergangene Woche konnte ich noch keine entdecken.

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